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Die demokratische Zeit der DDR
Inhalt
- Offene Lage
- Aufbruch
- Entmachtung
- Der Zentrale Runde Tisch als erste demokratisch agierende Institution
- Tisch-Erfolge
- Verfassungsentwurf
- Wahlkampf
- Stasi-Schatten
- Art. 23 und Art. 146
- Gemeinsame Verfassungskommission (1991–1993)
- Deutungen
- Aussagen und Belege
- Zeitleiste
- Quellen
1. Offene Lage
Reiseerlaubnis, Pressekonferenz und die ersten Erklärungen der Bewegungen.

Hubertus Knabe gibt 2019 ein Protokoll wieder, in dem die Staatssicherheit im Sommer 1988 ein Gespräch zwischen Heinz Felfe und Fred Müller zusammenfassen ließ. In dieser Wiedergabe klagt Felfe, wer die Zeitung aufschlage, werde belogen, und das Protokoll hält ein neues System mit neuer Preisgestaltung fest.[1]
Wolfgang Templin schrieb am 4. Oktober 1989 in der taz, die DDR werde von ihren Oberen freiwillig keine Demokratie bekommen. Nach dem Rücktritt des Ministerrats erklärte die SDP am 8. November 1989, die Mängel lägen im System der politischen Verhältnisse, und die Sprecher von Demokratie Jetzt nannten den Rücktritt der SED von ihrem Führungsanspruch den einzig möglichen Ausweg.[3]
Neues Deutschland vom 10. November 1989 gibt den Beschluss des Ministerrats zu Privatreisen wieder, den Günter Schabowski am Abend zuvor verlas. Auf die Frage „Ab sofort?“ antwortete er laut Transkript der Bundesregierung, das gelte nach seiner Kenntnis sofort. Riccardo Ehrman schilderte 2009 einen Anruf von Günter Pötschke vor der Pressekonferenz; Schabowski hielt einen solchen Anruf laut Zeit für möglich und eine Absprache für absurd. Peter Brinkmann sagte 2014, er habe die entscheidende Frage gestellt.[5]
Demokratie Jetzt nannte am 16. November 1989 das Recht zu reisen ein Menschenrecht, das der Staat weder verweigern noch gewähren könne. Bärbel Bohley sagte 1994 im Spiegel, am 4. November 1989 hätten von 26 Rednern auf dem Alexanderplatz nur vier aus den neuen Bürgerbewegungen gesprochen. Die Volkskammer wählte Hans Modrow laut Neues Deutschland vom 14. November 1989 mit einer Gegenstimme; Demokratie Jetzt betrachtete die so gewählte Regierung als Übergangsregierung.[9]
Kurz gefasst
2. Aufbruch
Gründungsaufrufe von Neuem Forum, SDP, Demokratie Jetzt und Demokratischem Aufbruch.

Am 9. September 1989 gründeten in Grünheide 30 bis 40 Personen das Neue Forum. Der Aufruf nannte die Auswanderung einen Beleg für eine gestörte Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft. Nach der Ablehnung durch den Minister des Innern am 22. September 1989 kündigte das Forum an, als Bürgerinitiative weiterzuarbeiten. Die Robert-Havemann-Gesellschaft datiert die Anträge auf den 19. September, die ADN-Meldung der Nichtzulassung auf den 21. September und die Entgegennahme auf den 18. November 1989.[12]
Der Aufruf zu einer sozialdemokratischen Partei, verbreitet seit dem 26. August 1989, nannte die Bestreitung des Machtanspruchs der herrschenden Partei zur Voraussetzung der Demokratisierung; am 7. Oktober gründeten die Unterzeichner in Schwante die SDP. Der Aufruf zur Einmischung vom 12. September 1989 rief Demokratie Jetzt ins Leben und erklärte, der Sozialismus müsse seine demokratische Gestalt finden. Der Demokratische Aufbruch verlangte am 2. Oktober 1989, der Staat dürfe nicht mehr ausschließlich durch eine Partei beherrscht werden.[15]
Die Initiative Frieden und Menschenrechte erklärte am 28. Oktober 1989 den Verzicht auf Gewalt und band Menschenrechte an Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung. Das Neue Forum Dresden erklärte am 3. November 1989, nicht der Sozialismus stehe zur Diskussion, wohl aber die Art seiner Verwirklichung. Wolfgang Ullmann sagte der taz am 18. November 1989, Demokratie Jetzt teile die Freude über die Öffnung der Mauer, und grenzte das von Bärbel Bohleys Reaktion ab. Basisgruppen des Neuen Forums schrieben am 28. November 1989, sie wollten eine gerechte Ordnung aufbauen, in der nicht die „KOHLe“ das Maß aller Dinge sei.[18]
Kurz gefasst
3. Entmachtung
Führungsanspruch, Rücktritte und die Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit.

Nach der Darstellung auf jugendopposition.de formulierten Oppositionsgruppen am 4. Oktober 1989 Demokratisierung, freie Wahlen und die Freilassung Inhaftierter als Hauptforderungen. Die Volkskammer strich am 1. Dezember 1989 mit mehr als Zwei-Drittel-Mehrheit den Führungsanspruch aus Artikel 1; Hans Modrow schrieb später, die Trennung von diesem Prinzip habe sein müssen.[22]
Am 3. Dezember 1989 traten laut der Chronik auf ddr89.de Zentralkomitee und Politbüro zurück. Egon Krenz nannte dieses Auseinanderlaufen in „Herbst `89“ den bisher bittersten Punkt in seinem Leben. Am 6. Dezember 1989 erklärte er laut Neues Deutschland den Rücktritt als Vorsitzender des Staatsrates; Manfred Gerlach wurde mit den Aufgaben beauftragt. In der Rücktrittserklärung begründete Krenz die Wende damit, die alte Führung habe den Widerspruch zwischen Volkswillen und Politik vertieft, und nannte als Ziel, Konflikte mit politischen Mitteln zu lösen.[24]
Die Wirtschaftssprecher des Neuen Forums schlugen im Dezember 1989 Sofortmaßnahmen vor, weil weder die Regierung Modrow noch die etablierten Parteien ein einheitliches Konzept vorlegen könnten. Manfred Sauer gab zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit an, von 85 000 Mitarbeitern seien 30 000 entlassen und etwa 109 000 inoffizielle Personen tätig gewesen; das Bauern-Echo druckte das am 17. Januar 1990. Die Berliner Zeitung berichtete, am 15. Januar 1990 hätten über eine halbe Million Menschen auf einen Aufruf des Neuen Forums demonstriert.[27]
Kurz gefasst
4. Der Zentrale Runde Tisch als erste demokratisch agierende Institution
Einladung, Selbstverständnis, Wahltermin und das bestrittene Vetorecht.

Zur ersten Sitzung am 7. Dezember 1989 hatten die Kirchenleitungen laut dem Sitzungsbericht auf ddr89.de zwölf Parteien und Gruppierungen eingeladen; Gewerkschaften und Unabhängiger Frauenverband erhielten nach Debatte zwei Sitze. Die Teilnehmer erklärten, der Tisch könne keine parlamentarische oder Regierungsfunktion ausüben, und Martin Ziegler sagte, er sei kein Ersatz für Regierung, Staatsrat oder Volkskammer. Ingrid Köppe verlas die Erklärung der Opposition: Sie sprach allen Beteiligten einschließlich Volkskammer und Regierung eine hinreichende Legitimation durch freie Wahlen ab.[30]
Der Tisch empfahl am 7. Dezember 1989 den 6. Mai 1990 als Wahltermin; am 5. Februar 1990 stimmte eine Mehrheit für den 18. März. Die Robert-Havemann-Gesellschaft beschreibt die öffentliche Aufmerksamkeit und überliefert Schriftgut aller 16 Sitzungen. Gerd Poppe schilderte die Vorverlegung als Bedingung der SPD und die Oppositionsminister als verlängerten Arm des Tisches. Als ersten Zweck des Regierungseintritts nannte er die Regierungsfähigkeit; den Vorschlag, mit Ministern ohne Geschäftsbereich einzutreten, schreibt er Gregor Gysi zu.[33]
Die Abschlusserklärung vom 12. März 1990 bilanzierte 16 Beratungen und 17 Arbeitsgruppen. Die Robert-Havemann-Gesellschaft nennt den Tisch einen Ort des Dialogs und eine Methode gewaltfreien Krisenmanagements; Martin Gutzeit betont dagegen, die Legitimierung habe auf wackeligen Füßen gestanden. Nach dem Ende der Tische von 1990 entstanden nach Darstellung der Gesellschaft weitere Tische, darunter einer zur Gründung von Bündnis 90. Das Neue Forum wollte dem Tisch ein Vetorecht gegenüber der Regierung Modrow einräumen; Lothar de Maizière hielt das für eine Entmündigung der Regierung.[37]
Kurz gefasst
5. Tisch-Erfolge
Wahlrecht, Sozialcharta, Volkseigentum – und wer widersprach.

Die Abschlusserklärung vom 12. März 1990 nennt das Wahlgesetz, Grundzüge einer Wirtschaftsreform, eine Sozialcharta, ein Mediengesetz und Verfassungsgrundsätze. Peter Moreth erklärte namens der Regierung einen Beitrag zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens; jugendopposition.de nennt Wahlen und die Auflösung der Stasi als Erfolge und hält fest, die Opposition am Tisch habe ab 1990 an Bedeutung verloren.[40]
Am 5. März 1990 legten Gerd Poppe und Tatjana Böhm laut der Archivseite auf ddr89.de eine Sozialcharta mit neun Punkten vor. Die Mehrheit stimmte zu, Demokratischer Aufbruch und Vereinigte Linke enthielten sich, und die tageszeitung schrieb von Skepsis. Am 19. Februar 1990 unterstützte der Tisch mit 20 Stimmen bei 11 Enthaltungen einen Antrag zu paritätischen Wahlkommissionen; Werner Schulz fragte den Unabhängigen Frauenverband nach den ersten Listenplätzen.[42]
Am 8. Januar 1990 endete die sechste Sitzung laut der Archivseite auf ddr89.de vorzeitig, weil der Bericht zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit nicht genügte. Am 12. März 1990 nahm der Tisch laut der Archivseite auf ddr89.de mit knapper Mehrheit ein Papier der SPD zur Verordnung über Kapitalgesellschaften, zur Privatisierung und zu einem Kartellamt an. Darin nennt der Begleittext auf ddr89.de einen Anteil von etwa 40 000 Mark. Gregor Gysi befürchtete durch den Entwurf einen Ausverkauf der DDR. Wolfgang Ullmann nannte laut Berliner Zeitung vom 13. März 1990 die Verfügung über das Volkseigentum die Grundfrage der Politik.[44]
Bei der Volkskammerwahl 1990 galt laut einer Bildunterschrift von Norbert F. Pötzl ein reines Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel. Das Neue Forum hatte am 14. November 1989 Grundsätze vorgelegt, nach denen die Hälfte der Mandate direkt und die andere Hälfte nach Stimmenanteil vergeben werden sollte.[46]
Kurz gefasst
6. Verfassungsentwurf
Der Entwurf der Arbeitsgruppe und die Ablehnung in der Volkskammer.

Demokratie Jetzt nannte die Änderung des Artikels 1 laut Neuer Zeit vom 4. Dezember 1989 nur einen ersten Schritt und sprach von mehr als 100 000 Unterschriften. Am 7. Dezember 1989 vereinbarte der Tisch, sofort einen Verfassungsentwurf zu erarbeiten und ihn nach Neuwahlen 1990 durch Volksentscheid zu bestätigen. Die Arbeitsgruppe erklärte am 20. Dezember 1989, ihre Aufgabe sei der Entwurf einer neuen Verfassung der DDR.[48]
In der letzten Sitzung schlug eine Mehrheit einen Volksentscheid für den 17. Juni vor; SPD, Demokratischer Aufbruch, CDU und LDPD stimmten dagegen. Peter Pragal gibt ihre Begründung wieder: Nach der Wahl müsse die Verfassungsbefugnis an die Volkskammer übergehen. Gerd Poppe nannte den Entwurf laut Neuer Zeit eine vorzügliche Grundlage, Gerhard Weigt laut Berliner Zeitung ein Vermächtnis des Tisches. Der Entwurf vom April 1990 sah unter anderem ein Recht auf Wohnraum, ein Recht auf Arbeit oder Arbeitsförderung und Gesetzgebung durch Volksentscheid vor. Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt die sozialen Rechte verpflichtend und einklagbar; Ulrich K. Preuß sagte 2015, ein Recht auf Beschaffung eines Arbeitsplatzes sei nicht möglich gewesen.[51]
Artikel 41 bekannte sich zum Ziel der Einheit, Artikel 132 band einen Beitritt an eine Vereinbarung mit Zwei-Drittel-Mehrheit und Volksentscheid. Am 4. April 1990 ging der Entwurf an die Volkskammer; am 26. April lehnte sie die Behandlung mit 179 zu 167 Stimmen ab. Die Regierungsfraktionen begründeten das laut Pragal damit, der Weg über Artikel 23 sei mit der Wahl entschieden; die Abgeordnete Kögler fragte, wozu noch eine Übergangsverfassung nötig sei.[56]
Der Begleittext auf ddr89.de hält fest, DA, CDU und SPD seien gegen ein Mandat zur Weiterarbeit gewesen. Richard Schröder sprach der Arbeitsgruppe am 12. März 1990 die Legitimation ab, dem Volk einen Entwurf vorzulegen. Gerd Poppe sagte 2010, die Gruppe habe ihren Auftrag erfüllt. Die Koalitionsvereinbarung vom 12. April 1990 sah laut dem Begleittext auf ddr89.de vor, Verfassung von 1949 und Entwurf des Tisches zu berücksichtigen. Der Begleittext auf ddr89.de hält dieselbe Ablehnung vom 26. April 1990 fest. Wolfgang Templin schrieb 1990, bis Ende Januar habe die Hoffnung bestanden, mit einer neuen Verfassung zur Demokratisierung auf eigener Grundlage beizutragen, und der Entwurf trage auch die Unterschrift der CDU.[108]
Kurz gefasst
7. Wahlkampf
Gastredner, Allianz für Deutschland und das Ergebnis vom 18. März 1990.

Am 5. Februar 1990 beschloss der Tisch laut Berliner Zeitung mehrheitlich den Verzicht auf Gastredner aus der Bundesrepublik; CDU und Demokratischer Aufbruch sprachen ihm in dieser Frage die Kompetenz ab. Hans-Wilhelm Ebeling sagte am 21. Februar 1990, die DSU verstehe sich als Schwesterpartei von CSU und CDU und sei froh über Auftritte von Theo Waigel und Helmut Kohl. Norbert F. Pötzl schreibt, die Union habe die Allianz für Deutschland mit 4,5 Millionen Mark unterstützt, SPD und FDP mit jeweils rund 1,5 Millionen.[59]
Die Bundesstiftung Aufarbeitung hält fest, die Allianz aus Ost-CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch habe den Beitritt nach Artikel 23 vertreten, Bündnis 90 und die ostdeutschen Grünen zunächst eine Demokratisierung und den Weg über Artikel 146. Demokratie Jetzt erklärte am 16. März 1990, ohne Unterstützung der Bundesrepublik sei die soziale Abfederung nicht möglich, zu blindem Vertrauen sehe man aber keinen Grund. Ebeling begründete die schnelle Einheit damit, die DDR finde wirtschaftlich allein nicht mehr aus dem Schlamassel.[62]
Laut der Übersichtsseite zum Neuen Forum auf ddr89.de formulierte Bärbel Bohley im November 1989, man wolle über sich selbst bestimmen und sich das, was 40 Jahre verwehrt wurde, nicht von der BRD nehmen lassen. Gerd Poppe sagte dort im Juli 1990, die Opposition habe etwas Eigenes machen wollen. Dieselbe Seite gibt den Einwand vieler Bürger wieder, warum der Weg über eine Konföderation führen solle, wenn das Ziel direkt zu erreichen sei.[106]
Am 18. März 1990 kam die CDU laut Pötzl auf 40,8 Prozent, die SPD auf 21,9, die PDS auf 16,4 und Bündnis 90 auf 2,9 Prozent; die Allianz kam laut Pötzl auf 48 Prozent, die Beteiligung lag bei 93,4 Prozent, die Wahlkommission erklärte die Wahl für ordnungsgemäß. Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt für die Allianz 56,1 Prozent. Gerd Poppe sagte am 19. März, das Versprechen der D-Mark und die Einmischung von Westen hätten die Wahl entschieden. Ina Merkel, Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbandes, schrieb am 21. März 1990 über den sozialen Druck des Wahlkampfs. Pötzl nannte die Wahl ein Bekenntnis zur Demokratie, die Bundesstiftung ein Votum der Mehrheit für eine rasche Vereinigung, Ebeling sagte, gewonnen hätten alle, die auf die Straße gegangen seien; Annett Gröschner sagte 2015, die Bürgerbewegung habe falsch eingeschätzt, wie verunsichert die Menschen gewesen seien.[65]
Kurz gefasst
8. Stasi-Schatten
Vorwürfe, Bestreitungen und der Streit um die Akten.

Der Spiegel berichtete am 11. März 1990, in Rostock seien Akten aufgetaucht, nach denen Schnur als Chef des DA für die Staatssicherheit gearbeitet habe. Schnur ließ über Rainer Eppelmann bestreiten, je für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben, Volker Rühe sprach von Ehrabschneiden, ein Aufruf nannte die Vorwürfe grundlos. Pötzl schreibt, Schnur sei am 14. März 1990 zurückgetreten und einen Tag später ausgeschlossen worden.[68]
Der Spiegel berichtete am 25. März 1990 über Vorwürfe gegen Ibrahim Böhme; Böhme wies sie zurück, der Vorstand stellte sich hinter ihn, am 1. April legte er die Parteiämter nieder. Werner Fischer sagte laut Spiegel vom 25. März 1990, nach seinen Informationen seien etwa 40 der neu gewählten Abgeordneten eng mit der Stasi verbandelt; eine abgeschlossene Prüfung war das nicht. Manfred Gerlach sprach sich laut der Chronik auf ddr89.de für eine Überprüfung aller Abgeordneten aus. Der PDS-Vorsitzende wandte sich laut derselben Chronik gegen eine Vergeltungsstimmung und empfahl, Kontakte offenzulegen. Die Neue Zeit meldete am 2. April 1990, de Maizière, Böhme und Gysi seien aus der damaligen Aktendurchsicht entlastet hervorgegangen.[69]
De Maizière erklärte laut Spiegel im März 1990, er habe sich nichts vorzuwerfen, und gab dem Kanzler sein Wort, nur als Anwalt mit der Stasi in Berührung gekommen zu sein. Im Dezember 1990 berichtete der Spiegel über eine Findekarte zum Pseudonym Czerny und über die Bekanntgabe des Rücktritts als Sonderminister. Gregor Gysi sagte, er könne die Vorwürfe nicht glauben. Das Bundesverfassungsgericht entschied am 21. Mai 1996, das Überprüfungsverfahren dürfe durchgeführt werden. Es verwarf am 1. April 1998 Gysis Organklage gegen die vorläufige Feststellung des Ausschusses vom 24. März 1998 als teilweise unzulässig und im übrigen unbegründet. Laut dem Bericht des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung in der Drucksache 13/10893 stellte der Ausschuss in seiner Sitzung am 8. Mai 1998 eine inoffizielle Tätigkeit Gregor Gysis für das Ministerium für Staatssicherheit als erwiesen fest. Gysi erklärte in seiner Stellungnahme vom 29. Mai 1998, das gegen ihn durchgeführte Überprüfungsverfahren sei von Beginn bis zum Ende ein politisches Verfahren gewesen. Der Ausschuss gibt seine Erklärung wieder, er habe ausschließlich mit dem ZK der SED Kontakt gehabt, und nennt sie eine nicht stichhaltige Schutzbehauptung. Der Berichterstatter Jörg van Essen hielt die Tätigkeit für nicht erwiesen; der Ausschuss lehnte diesen Vorschlag ab. Gysi bestritt, sich in einer konspirativen Wohnung mit Offizieren der Staatssicherheit getroffen zu haben. Pötzl schreibt 2020, die Karten seien de Maizière zugeordnet worden, eine bewusste Zusammenarbeit sei nicht nachzuweisen. Über Martin Kirchner berichtete der Spiegel am 25. März 1990 von Hinweisen auf eine Top-Quelle; Kirchner sprach von berufsbedingten Kontakten, 1992 schrieb der Spiegel von einer Anwerbung und davon, dass er nach der Wende zeitweilig Generalsekretär der Ost-CDU gewesen sei.[71]
Am 12. März 1990 nahm der Tisch laut Neue Zeit einen Bericht entgegen, wonach von rund 73 000 Mitarbeitern 67 000 entlassen seien; die Arbeitsgruppe sprach sich gegen die Einsicht der Bürger in ihre Akten aus. Werner Fischer sagte am 29. März 1990, er habe zunächst für die Vernichtung der Personendossiers plädiert und sehe nach der Wahl ein Recht auf Überprüfung der Abgeordneten. Joachim Gauck sagte am 18. Juli 1990, er sei gegen die Vernichtung, die Untaten sollten beweisbar bleiben. Innenminister Peter-Michael Diestel schrieb am 6. August 1990, die schnellstmögliche Vernichtung der personenbezogenen Akten wäre die sauberste Lösung, verbiete sich wegen der Rehabilitierungen aber gegenwärtig.[73]
Am 4. September 1990 besetzten laut jugendopposition.de 23 Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler das Aktenarchiv und forderten, das Stasi-Unterlagen-Gesetz in den Einigungsvertrag aufzunehmen. Der Tisch beschloss laut der Archivseite zum Runden Tisch am 19. Februar 1990 die Vernichtung der elektronischen Datenträger; Ulrike Poppe nannte das im Jahr 2000 einen großen Fehler.[77]
Kurz gefasst
9. Art. 23 und Art. 146
Beitritt, Gegenstimmen und der veröffentlichte Wortlaut.

Der Gemeinsame Ausschuss von SPD und SPD in der DDR erklärte im Februar 1990, der Weg zur Einheit müsse zügig, aber ohne Überstürzung organisiert werden. Grüne Partei, UFV, IFM und VL beantragten am 19. Februar 1990 eine Erklärung, die eine Vereinigung nach Artikel 23 als einseitige Vereinnahmung bezeichnete. Konrad Weiß und Uwe Pautz erklärten ihre Ablehnung.[79]
Am 17. Juni 1990 beantragte die DSU den sofortigen Beitritt nach Artikel 23; Konrad Weiß erklärte, ein Antrag mit verfassunggebender Versammlung nach Artikel 146 komme nicht zustande. Im Juli 1990 sagte Weiß, er halte den Weg über Artikel 146 weiterhin für den besseren und sei von einem langsameren Tempo ausgegangen. Pragal schreibt, de Maizière habe sich nicht nach der alten Verfassung vereidigen lassen und die Volkskammer habe am 17. Juni das Verfassungsgrundsätze-Gesetz verabschiedet.[80]
Am Vorabend der Währungsunion sagte Lothar de Maizière, er verstehe, dass manchem das zu schnell gehe, der Prozess gehe aber nicht zu schnell, und man diene dem Land am besten, wenn man die Einheit nicht nur gut, sondern auch schnell vollziehe. In der Nacht zum 23. August 1990 erklärte die Volkskammer den Beitritt mit Wirkung vom 3. Oktober, nachdem sie einen Antrag auf sofortigen Beitritt abgelehnt hatte; Pragal nennt 294 Ja- und 62 Nein-Stimmen.[83]
Gregor Gysi schilderte am 18. März 2015, nach dem Wort Beitritt sei handschriftlich „der Deutschen Demokratischen Republik“ eingefügt worden. Reinhard Höppner sagte 2010, die erste Fassung sei so beschlossen worden und Bergmann-Pohl habe den Beschluss danach mit dem Begriff DDR noch einmal vorgelesen. Die Niederschrift vom 22. August 1990 gibt den Antrag mit „Beitritt der DDR“ wieder und verzeichnet die Bitte, das Protokoll zu ändern. Der veröffentlichte Wortlaut erklärt den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik zum 3. Oktober 1990; Artikel 1 des Einigungsvertrags knüpft daran an. Bernd Reichelt begründete das Nein von Bündnis 90/Grüne damit, der Termin sei ein Blanko-Scheck gewesen.[85]
Bei der Unterzeichnung am 31. August 1990 nannte de Maizière den Einigungsvertrag ein Werk in ausgewogener Balance, das die Rechte der fünf Länder auch nach dem Ende der DDR sichern sollte. Artikel 4 des Vertrags gab der Präambel eine neue Fassung, hob Artikel 23 auf und fasste Artikel 146 neu.[87]
Kurz gefasst
10. Gemeinsame Verfassungskommission
Kuratorium, Kommission und die fehlende Empfehlung zu Artikel 146.

Am 16. Juni 1990 gründete sich das Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder und forderte eine verfassunggebende Versammlung mit Volksentscheid. Wolfgang Ullmann forderte im September 1990 in Weimar eine neue Verfassung und kritisierte die Präambel des Einigungsvertrags, die von Ländern spreche, in denen nie über eine Verfassung abgestimmt worden sei.[89]
Artikel 5 des Einigungsvertrags empfahl, innerhalb von zwei Jahren über Änderungen des Grundgesetzes zu beraten, darunter über Artikel 146; Bundestag und Bundesrat setzten im November 1991 die Gemeinsame Verfassungskommission ein. Der Bericht von 1993 hält fest, zu Artikel 146 sei keine Empfehlung ausgesprochen worden; vorgetragen wurde, das Grundgesetz sei durch die Beschlüsse von Volkskammer, Bundestag und Bundesrat bereits legitimiert. Laut Bericht stieß das Thema auf außerordentliches öffentliches Interesse, mehr als 266 000 Eingaben gingen ein; keiner der Anträge erreichte die erforderliche Zweidrittelmehrheit.[91]
Ullmann stellte am 6. Mai 1993 seine Mitarbeit ein, weil er seine Vorstellungen nicht verwirklicht sah. Pragal schreibt, der Entwurf des Kuratoriums sei im Bundestag gescheitert. In einem Interview nach dem Ausscheiden sagte Ullmann laut dem Begleittext von ddr89.de, die Kommission habe ihre Aufgabe nicht erfüllt; die Gegner einer Volksabstimmung hielten ihm entgegen, an der Verfassungssituation hätte sich nichts geändert. Steffen Heitmann, Mitglied der Kommission, sagte am 4. Februar 1994 im Bundestag, die Einigung sei durch den freiwilligen Beitritt nach Artikel 23 vollzogen worden und der Verlauf zeige, dass die überwiegende Mehrheit der Ostbürger das so gewollt habe.[94]
Kurz gefasst
11. Deutungen
Was Beteiligte und spätere Autoren dem Verlauf zuschreiben.

Ekkehard Maaß erinnerte sich 2026, Bärbel Bohley sei am Wahlabend des 18. März 1990 verzweifelt gewesen; er selbst habe es damals so gedeutet, die Leute hätten die Demokratie gewollt und Kohl gewählt. Im Spiegel 1994 sagte Bohley, die Opposition sei abgedriftet und habe der CDU das Feld überlassen; Jens Reich hielt dagegen, das Volk sei nur eine historische Sekunde lang zu den Bürgerbewegungen gegangen.[95]
Gerd Poppe sagte 1991, die Art der Vereinigung habe dazu geführt, dass Strukturen der alten Bundesrepublik im Osten übernommen wurden, nicht immer freiwillig, sondern unter wirtschaftlicher Stärke. Ehrhart und Hildigund Neubert hielten 2020 fest, sie hätten Kohls Politik schon 1989 für grundsätzlich richtig gehalten; Constantin Hühn stellt dem ein Zitat von Konrad Weiß aus dem Jahr 1990 gegenüber. Die Begleitseite des MDR urteilt 2019, die Runden Tische hätten den friedlichen Übergang gesichert und wegen fehlender Legitimation keinen dauerhaften Rahmen erlangt, und zitiert de Maizière.[97]
Der Programmtext von ZDFinfo zu einer Dokumentation von 2020 vertritt die These, die Anwendung von Artikel 146 hätte eine neue Verfassung zur Folge gehabt und Helmut Kohl habe das verhindern wollen; Hans Modrow spricht dort von „Betrug“, Oskar Lafontaine sieht wahltaktische Gründe. Im selben Programmtext erklären Lothar de Maizière, Gregor Gysi, Rudolf Seiters und Horst Teltschik die Hintergründe. Zur Gegenprobe stehen der Beitrittsbeschluss mit 294 Ja- gegen 62 Nein-Stimmen und Heitmann, der den Beitritt nach Artikel 23 als Willen der überwiegenden Mehrheit las. Das ist die Zuschreibung des Programmtexts, nicht ein Befund des Dossiers. Wolfgang Templin schrieb im September 1990, der Kampf um Zeit für eine demokratische Gestaltung sei kein Manöver gewesen, um an der Zweistaatlichkeit festzuhalten. Hubertus Knabe kritisierte 2019, Schulbücher ließen den Freiheitskampf der Ostdeutschen zu einer Folge außenpolitischer Veränderungen schrumpfen; ohne diesen Kampf, schreibt er, wäre die Wiedervereinigung nicht möglich gewesen.[84]
Kurz gefasst
Aussagen und Belege
- [1] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Hubertus Knabe gibt 2019 ein Protokoll der Staatssicherheit wieder, die im Sommer 1988 eine Unterhaltung zwischen Heinz Felfe und Fred Müller, dem Direktor des Internationalen Pressezentrums der DDR und Inoffiziellen Mitarbeiter, abhörte und deren Inhalt ein Auswerter streckenweise zusammengefasst niederschrieb. Grenze: Stasi-Protokoll, von Knabe leicht gekürzt wiedergegeben und vom MfS-Auswerter teils zusammengefasst; Signatur HA II/13, Information Nr. 18 vom 2.8.1988, BStU, ZA, HA II/13 459, Bl. 14–25. Ein Digitalisat des Originals ist online nicht auffindbar.Gegenprobe: Das Protokoll gibt ein Gespräch zweier Einzelpersonen wieder, von denen eine als Inoffizieller Mitarbeiter geführt wurde; eine Deutung der späteren Ereignisse enthält es nicht.
- [2] ◐ Belegt (Sekundärquelle): In dem von Hubertus Knabe 2019 wiedergegebenen, von der Stasi abgehörten Gespräch aus dem Sommer 1988 wird Felfe mit der Klage zitiert, wer die Zeitung aufschlage, werde belogen, und das Protokoll hält fest, man brauche ein neues System mit völlig neuer Preisgestaltung. Grenze: Der Satz zum neuen System ist im Protokoll keinem der beiden Sprecher eindeutig zugeordnet; teils Zusammenfassung des Auswerters, nicht wörtliche Rede.Gegenprobe: Das Protokoll gibt ein abgehörtes Zweiergespräch wieder, keine Äußerung der SED-Führung (c-001).
- [3] ● Belegt (Primärquelle): Wolfgang Templin von der Initiative Frieden und Menschenrechte schrieb in der taz vom 4. Oktober 1989, die DDR werde von ihren Oberen und mit stillen Verhandlungen freiwillig keine Demokratie bekommen. Grenze: Programmatische Einschätzung eines IFM-Mitglieds, das sich zu der Zeit in Bielefeld aufhielt.
- [4] ● Belegt (Primärquelle): Nach dem Rücktritt des Ministerrats erklärte die SDP am 8. November 1989, die großen Mängel der DDR-Politik lägen im System der politischen Verhältnisse begründet, und die Sprecher von Demokratie Jetzt Hans Jürgen Fischbeck, Ulrike Poppe und Konrad Weiß nannten den Rücktritt der SED von ihrem Führungsanspruch den einzig möglichen Ausweg. Grenze: Die DJ-Erklärung ist im Snapshot nicht datiert; zeitlich gehört sie zum Rücktritt von Ministerrat und Politbüro Anfang November 1989.
- [5] ● Belegt (Primärquelle): Laut Neues Deutschland vom 10. November 1989 beschloss der Ministerrat der DDR, dass Privatreisen ins Ausland ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden können, und Günter Schabowski verlas diese Regelung am 9. November 1989 auf der Pressekonferenz.
- [6] ● Belegt (Primärquelle): Auf die Frage von Peter Brinkmann „Ab sofort?“ antwortete Schabowski laut Transkript der Bundesregierung auf der Pressekonferenz am 9. November 1989, das gelte nach seiner Kenntnis sofort, unverzüglich.
- [7] ◆ Umstritten: Riccardo Ehrman sagte 2009, vor der Pressekonferenz vom 9. November 1989 habe ihn ADN-Generaldirektor Günter Pötschke angerufen; Schabowski hielt es laut Zeit für möglich, dass Pötschke ihn angerufen habe, nannte aber die Spekulation absurd, Ehrman sei in Absprache mit ihm zum Stichwortgeber gemacht worden. Grenze: Einzige Quelle für den Anruf ist Ehrman selbst; Pötschke starb 2006 und konnte nicht mehr Stellung nehmen. Die Zeit schreibt „Ehrmann“.Gegenprobe: Laut Zeit wollte Ehrman im April 2009 mit Rücksicht auf den Informanten und dessen Familie nicht verraten, ob Pötschke der Tippgeber war; in der SZ vom 5. November 2009 nannte er ihn und sagte, er habe es nicht erzählen wollen, solange Pötschke lebte.
- [8] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Peter Brinkmann sagte 2014 im DLF, er habe Schabowski die entscheidende Frage gestellt und dadurch habe die Pressekonferenz eine ganz andere Richtung genommen. Grenze: Eigene Darstellung Brinkmanns 25 Jahre danach. Die Version, ihm sei vorab etwas zugeflüstert worden, ist nicht belegbar.Gegenprobe: Die SZ schrieb am 5. November 2009 zum Interview mit Ehrman, die entscheidende Frage habe ein Italiener gestellt (c-007); das Transkript der Bundesregierung verzeichnet Brinkmann als Fragesteller von „Ab sofort?“ (c-006).
- [9] ● Belegt (Primärquelle): Demokratie Jetzt erklärte am 16. November 1989, das Recht zu reisen sei ein elementares Menschenrecht, das der Staat weder verweigern noch gewähren könne, und schlug vor, es in der Verfassung der DDR zu verankern.
- [10] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Bohley sagte 1994 im Spiegel über den 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz, von 26 Rednern hätten nur 4 aus den neuen Bürgerbewegungen gesprochen. Grenze: Rückblick Bohleys fünf Jahre später, Interview-Aussage.
- [11] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Neues Deutschland vom 14. November 1989 wählte die Volkskammer Hans Modrow mit einer Gegenstimme zum Vorsitzenden des Ministerrates, und Demokratie Jetzt erklärte, eine von diesen Parlamentariern gewählte Regierung könne man nur als Übergangsregierung betrachten.
- [12] ● Belegt (Primärquelle): Am 9. September 1989 gründeten in Grünheide 30 bis 40 Personen aus 11 der 15 DDR-Bezirke das Neue Forum, dessen Gründungsaufruf die Verdrossenheit bis hin zur massenhaften Auswanderung als Beleg für eine gestörte Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft nannte. Grenze: Die Angaben zur Gründung stammen aus der redaktionellen Einleitung von ddr89.de; der Aufruf selbst ist Primärtext.
- [13] ● Belegt (Primärquelle): Das Neue Forum erklärte nach der Ablehnung seines Antrags durch den Minister des Innern am 22. September 1989, es werde seine Tätigkeit als politische Bürgerinitiative fortsetzen. Grenze: Datum der ADN-Meldung abweichend überliefert: Die NF-Erklärung nennt den 22. September 1989, Robert-Havemann-Gesellschaft und jugendopposition.de nennen den 21. September 1989 (siehe c-014).
- [14] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Nach dem Gründungstreffen am 9. und 10. September 1989 in Grünheide stellten die Gründungsmitglieder des Neuen Forums am 19. September 1989 beim Ministerium des Innern und in 11 von 15 Bezirksbehörden Anträge auf Zulassung, die DDR-Nachrichtenagentur ADN gab laut Robert-Havemann-Gesellschaft am 21. September 1989 die Nichtzulassung bekannt, und erst am 18. November 1989 wurde der Antrag offiziell entgegengenommen. Grenze: Bildunterschrift zum Gründungsaufruf im Bestand Neues Forum der Robert-Havemann-Gesellschaft; die NF-Erklärung selbst datiert die ADN-Meldung auf den 22. September 1989 (c-013). Die Wendung „In alter Manier“ ist Wertung des Archivs und nicht übernommen.
- [15] ● Belegt (Primärquelle): Der seit dem 26. August 1989 verbreitete Aufruf zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei nannte die Bestreitung des Wahrheits- und Machtanspruchs der herrschenden Partei als Voraussetzung der Demokratisierung, und am 7. Oktober 1989 gründeten die Unterzeichner in Schwante die SDP.
- [16] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der am 12. September 1989 vervielfältigte „Aufruf zur Einmischung in eigener Sache“ rief zur Bürgerbewegung Demokratie Jetzt auf und erklärte, der Sozialismus müsse nun seine eigentliche, demokratische Gestalt finden. Grenze: Redaktionelle Darstellung von ddr89.de mit Zitat aus dem Aufruf; der Aufruf selbst liegt nicht als eigener Snapshot vor.
- [17] ● Belegt (Primärquelle): Der Aufruf zum Demokratischen Aufbruch vom 2. Oktober 1989 verlangte, dass der Staat nicht mehr ausschließlich durch eine Partei beherrscht werde, und erklärte, man wolle neu lernen, was Sozialismus heißen könne.
- [18] ● Belegt (Primärquelle): Die IFM erklärte am 28. Oktober 1989, sie handle unter Verzicht auf jegliche Gewalt, und ohne Rechtsstaatlichkeit und politische Gewaltenteilung seien Menschenrechte nicht durchzusetzen.
- [19] ● Belegt (Primärquelle): Das Neue Forum Dresden erklärte am 3. November 1989, nicht der Sozialismus in der DDR stehe zur Diskussion, wohl aber die Art seiner Verwirklichung, und forderte die Legalisierung aller demokratischen Gruppierungen.
- [20] ● Belegt (Primärquelle): Wolfgang Ullmann sagte der taz am 18. November 1989, Demokratie Jetzt teile die Freude der Bevölkerung über die Öffnung der Mauer uneingeschränkt, und grenzte diese Reaktion ausdrücklich von der Bärbel Bohleys ab. Grenze: Die taz-Frage referiert Bohleys Reaktion nur („offen entsetzt“); eine eigene Äußerung Bohleys liegt in diesem Snapshot nicht vor.
- [21] ● Belegt (Primärquelle): Revolutionäre Basisgruppen des Neuen Forums erklärten am 28. November 1989, sie wollten die wahrscheinlich letzte Chance wahrnehmen, eine gerechte Gesellschaftsordnung aufzubauen, in der nicht die „KOHLe“ das Maß aller Dinge sei. Grenze: Position einzelner Basisgruppen, nicht des gesamten Neuen Forums.
- [22] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Nach der Darstellung auf jugendopposition.de formulierten Vertreter der wichtigsten Oppositionsgruppen am 4. Oktober 1989 in einer gemeinsamen Erklärung Demokratisierung, freie und geheime Wahlen unter UN-Mandat und die Freilassung der inhaftierten Oppositionellen als Hauptforderungen. Grenze: Redaktioneller Text von jugendopposition.de (User-Ausnahme); die Erklärung selbst liegt nicht als Snapshot vor.
- [23] ● Belegt (Primärquelle): Die Volkskammer strich am 1. Dezember 1989 mit mehr als Zwei-Drittel-Mehrheit die Passage „unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei“ aus Artikel 1 der Verfassung, und Hans Modrow schrieb später in seinem Buch „Ich wollte ein neues Deutschland“, die Trennung von diesem Prinzip habe sein müssen. Grenze: Modrows Satz ist ein späterer Rückblick aus seinen Erinnerungen, zitiert auf ddr89.de.
- [24] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 3. Dezember 1989 traten in Berlin das Zentralkomitee und das Politbüro der SED zurück, und Egon Krenz nannte dieses würdelose Auseinanderlaufen in seinem Buch „Herbst `89“ den bisher bittersten Punkt in seinem Leben. Grenze: Krenz' Wertung stammt aus seinen späteren Erinnerungen.
- [25] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Neues Deutschland vom 7. Dezember 1989 erklärte Egon Krenz seinen Rücktritt als Vorsitzender des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates, und Manfred Gerlach wurde mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Staatsratsvorsitzenden beauftragt.
- [26] ◐ Belegt (Sekundärquelle): In seiner Rücktrittserklärung vom Dezember 1989 begründete Krenz die Wende in der SED-Führung damit, die alte Führung habe den Widerspruch zwischen Volkswillen und realitätsferner Politik ständig vertieft, und erklärte, ihr erstes Ziel sei gewesen, politische Konflikte mit politischen Mitteln zu lösen. Grenze: Selbstdarstellung des zurücktretenden SED-Generalsekretärs.Gegenprobe: Knabe führte 2019 das Ausbleiben von Blutvergießen am 9. Oktober 1989 in Leipzig nicht auf eine Entscheidung von Krenz zurück, sondern darauf, dass sich im Herrschaftssystem der SED niemand traute, eigenverantwortlich zu entscheiden (c-102).
- [27] ● Belegt (Primärquelle): Die Wirtschaftssprecher des Neuen Forums schlugen im Dezember 1989 Sofortmaßnahmen im Wirtschaftsbereich vor, weil weder die Regierung Modrow noch die etablierten Parteien ein einheitliches Konzept vorlegen könnten, und wollten ein Sofortprogramm vom Runden Tisch am 18.12.1989 bestätigen lassen.
- [28] ● Belegt (Primärquelle): Manfred Sauer, stellvertretender Leiter des Sekretariats des Ministerrates, gab in seinen Ausführungen zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit an, von ehemals 85 000 Mitarbeitern seien 30 000 entlassen und für das Amt seien ca. 109 000 inoffizielle Personen tätig gewesen; das Bauern-Echo druckte sie am 17.01.1990. Grenze: Angaben der Regierung Modrow; Vortrag am Zentralen Runden Tisch am 15.01.1990, Abdruck im Bauern-Echo.Gegenprobe: Die Zahlen sind Regierungsangaben von Januar 1990, keine spätere Archivauswertung.
- [29] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Berliner Zeitung vom 16.01.1990 demonstrierten am Vorabend in zahlreichen Städten der DDR über eine halbe Million Bürger auf einen Aufruf vom Neuen Forum gegen die Restaurationspolitik der SED und ihres Sicherheitsapparates.
- [30] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Zur ersten Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 7. Dezember 1989 hatten das Sekretariat des Bundes Evangelischer Kirchen und das Sekretariat der Berliner Bischofskonferenz zwölf Parteien und politische Gruppierungen eingeladen; nach mehr als einstündiger Debatte durften je zwei Vertreter der Gewerkschaften und des Unabhängigen Frauenverbandes aktiv teilnehmen, andere erhielten Beobachterstatus, berichtete das Neue Deutschland am 8. Dezember 1989. Grenze: Zeitgenössischer Zeitungsbericht (ND, 08.12.1989), auf ddr89.de nachgedruckt; die Neue Zeit meldete am 09.12.1989, über eine definitive Zusammensetzung sei nichts verabredet worden.
- [31] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Teilnehmer des Zentralen Runden Tisches erklärten am 7. Dezember 1989, der Runde Tisch könne keine parlamentarische oder Regierungsfunktion ausüben, verstehe sich aber als Bestandteil der öffentlichen Kontrolle und wolle seine Tätigkeit bis zu freien Wahlen fortsetzen; Oberkirchenrat Martin Ziegler sagte zu Beginn, der Tisch könne kein Ersatz für Regierung, Staatsrat oder Volkskammer sein. Grenze: Wortlaut der einstimmig verabschiedeten Erklärung nach dem Abdruck im Neuen Deutschland; Zieglers Satz in indirekter Rede nach der Berliner Zeitung vom 08.12.1989.
- [32] ● Belegt (Primärquelle): In der gemeinsamen Erklärung der Opposition, die Ingrid Köppe (Neues Forum) am 7. Dezember 1989 in der ersten Sitzung des Zentralen Runden Tisches abgab, sprach die Opposition allen Beteiligten einschließlich Volkskammer und Regierung eine hinreichende Legitimation durch freie Wahlen ab, verlangte eine geschäftsführende Übergangsregierung und forderten, Wahlgesetz und neue Verfassung durch Volksentscheid in Kraft zu setzen, weil der Runde Tisch die direkte Demokratie nicht ersetzen solle. Grenze: Selbstbeschreibung der Opposition, ihr zugeschrieben.Gegenprobe: Gutzeit (SDP) sagte im Rückblick über die Teilnehmer am Runden Tisch: „Uns hatte ja keiner gewählt“ (c-038); CDU und DA sprachen dem Runden Tisch im Februar 1990 laut einem Sitzungsbericht in der Gastredner-Frage die Kompetenz ab (c-059).
- [33] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 7. Dezember 1989 empfahl der Zentrale Runde Tisch der Volkskammer mit 22 Ja-Stimmen bei 11 Enthaltungen den 6. Mai 1990 als Wahltermin; am 5. Februar 1990 lehnte eine Mehrheit den Antrag des Neuen Forums ab, beim 6. Mai zu bleiben, und stimmte für den vorgezogenen Termin 18. März 1990. Grenze: Die Vorverlegung selbst war zuvor zwischen Regierung Modrow und Runden-Tisch-Parteien ausgehandelt worden; die Sitzung vom 05.02.1990 bestätigte sie.
- [34] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Zentrale Runde Tisch tagte laut Robert-Havemann-Gesellschaft unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit: Die Teilnehmer setzten sich am 18. Dezember 1989 in der 2. Sitzung für eine Originalübertragung der Beratung durch Rundfunk und Fernsehen ein, und im Archiv der DDR-Opposition der Gesellschaft sind Schriftgut aller 16 Sitzungen sowie Mitschnitte der Fernsehübertragungen der 3. bis 16. Sitzung überliefert. Grenze: Die Archivangabe belegt die Überlieferung der Mitschnitte, nicht Sendezeiten oder Reichweite; „große öffentliche Aufmerksamkeit“ ist die Formulierung der Robert-Havemann-Gesellschaft.
- [35] ● Belegt (Primärquelle): Gerd Poppe (Initiative Frieden und Menschenrechte), im Februar 1990 Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung Modrow, schilderte die Vorverlegung der Wahl auf den 18. März als Bedingung der SPD für ihre Regierungsbeteiligung, nannte sie „richtigen Druck und ein Ultimatum“ und verstand die Oppositionsminister als „verlängerten Arm des Runden Tisches“, die keine Forderungen unterstützen wollten, die der Runde Tisch nicht trage. Grenze: Poppes Sicht im Interview, ihm zugeschrieben; die Begründung der SPD ist hier nur in seiner Wiedergabe (Reaktion auf Modrows Lageschilderung) enthalten.Gegenprobe: Poppe nennt im selben Interview als Gründe für die Regierungsbeteiligung die Aufrechterhaltung der Regierungsfähigkeit und Auflösungserscheinungen bei Polizei und Armee (c-036); laut einem auf ddr89.de abgedruckten Sitzungsbericht (Quellenzeile: Berliner Allgemeine, 06.02.1990) entschied sich am 5. Februar 1990 eine klare Mehrheit gegen den Antrag des Neuen Forums, der 18. März sei im Interesse der Stabilität (Quelle von c-033).
- [36] ● Belegt (Primärquelle): Gerd Poppe nannte im Februar 1990 als ersten Zweck des Eintritts der früheren Opposition in die Regierung die Aufrechterhaltung der Regierungsfähigkeit und verwies auf Auflösungserscheinungen im lokalen Bereich, bei der Polizei und bei der Armee; nach seiner Darstellung schlug Gregor Gysi vor, dass die Opposition mit Ministern ohne Geschäftsbereich eintrete, weil die alten Blockparteien keine Funktionen aufgeben wollten. Grenze: Poppes eigene Begründung im selben Interview wie c-035, ihm zugeschrieben; Gysis Vorschlag ist nur in Poppes Wiedergabe enthalten.
- [37] ● Belegt (Primärquelle): Die Abschlusserklärung aller politischen Kräfte und Gruppierungen des Runden Tisches vom 12. März 1990 bilanzierte insgesamt 16 Beratungen, gestützt auf die Tätigkeit von 17 Arbeitsgruppen, auf Tausende von Vorschlägen der Bürger und auf Experten aus Regierung und Wissenschaft. Grenze: Selbstbilanz des Runden Tisches; die Wertung, die Ergebnisse entsprächen dem Willen des Volkes, ist hier nicht übernommen.
- [38] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Runde Tisch, der auf zentraler Ebene am 12. März 1990 letztmals tagte, war laut Robert-Havemann-Gesellschaft ein Ort des Dialoges zwischen neuen und alten politischen Kräften und eine Methode gewaltfreien Krisenmanagements, die in der gesamten DDR vom Staat bis zu den Gemeinden existierte; der SDP-Mitbegründer Martin Gutzeit betont dagegen im Rückblick, die Legitimierung dieses Tisches habe auf sehr wackeligen Füßen gestanden, weil ihn keiner gewählt habe. Grenze: Wertung der Robert-Havemann-Gesellschaft (Archiv der DDR-Opposition), ihr zugeschrieben; Gutzeits Satz stammt aus einem undatierten Deutschlandfunk-Kultur-Feature.Gegenprobe: Gutzeit (SDP) hält der Würdigung im selben Claim entgegen: „Uns hatte ja keiner gewählt“; die MDR-Begleitseite führt darauf, dass die Runden Tische keinen dauerhaften institutionellen Rahmen erlangten, unter anderem das Fehlen einer demokratischen Legitimation zurück (c-099).
- [39] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Robert-Havemann-Gesellschaft wurden, als der Zentrale und die territorialen Runden Tische nach der Neuwahl der parlamentarischen Gremien im Laufe des Jahres 1990 ihre Arbeit eingestellt hatten, neue Runde Tische wie der „Frauenpolitische Runde Tisch“ und der „Runde Tisch von unten“ installiert, und zur Aushandlung von Wahlbündnissen und zur Gründung der Partei „Bündnis 90“ wurde der „Runde Tisch zum Bündnis 90“ einberufen. Grenze: Bestandsbeschreibung des Archivs; Gründungsdaten der genannten Runden Tische nennt die Seite nicht.
- [105] ◐ Belegt (Sekundärquelle): In der 2. Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 18. Dezember 1989 legte das Neue Forum ein Papier über das Verhältnis zur Regierung vor, das dem Runden Tisch ein Kontroll- und Vetorecht bei Beschlüssen der Modrow-Regierung einräumen sollte; Lothar de Maizière von der CDU, damals stellvertretender Ministerpräsident, hielt dem entgegen, dies sei eine Entmündigung der Regierung, dem Neuen Forum wurde vorgehalten, dann müssten sofort Neuwahlen ausgeschrieben werden, und nach der Debatte zog das Neue Forum sein Papier vorläufig zurück. Grenze: Darstellung im Pressespiegel und auf der Übersichtsseite von ddr89.de; das Standpunktpapier des Neuen Forums selbst ist nicht gesichert.Gegenprobe: Der Runde Tisch hatte am 7. Dezember 1989 erklärt, er könne keine parlamentarische oder Regierungsfunktion ausüben (c-031); de Maizières Einwand und der Rückzug des Neuen Forums stehen im Claim selbst.
- [40] ● Belegt (Primärquelle): In seiner Abschlusserklärung vom 12. März 1990 hob der Zentrale Runde Tisch als Ergebnisse das Gesetzeswerk zur Vorbereitung der Wahlen am 18. März und 6. Mai, Grundzüge einer Wirtschaftsreform und einer Sozialcharta, ein neues Mediengesetz sowie Grundsätze einer neuen Verfassung hervor und nannte die Mitarbeit von acht Ministern aus den neuen Parteien und Bewegungen in der Regierung. Grenze: Selbstbilanz des Gremiums; ob und wie die Empfehlungen nach dem 18. März umgesetzt wurden, belegt die Erklärung nicht.Gegenprobe: Die Berliner Zeitung schrieb am 6. März 1990 zu den vom Runden Tisch verlangten sozialen Absicherungen, fraglich bleibe, was nach dem 18. März von Bestand sein werde (Quelle von c-042).
- [41] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Minister Peter Moreth erklärte am 12. März 1990 namens der Regierung, der Runde Tisch habe einen beachtlichen Beitrag zur Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Lebens geleistet; die Darstellung auf jugendopposition.de nennt die schnelle Einführung freier Wahlen und die Auflösung der Stasi als wesentliche Erfolge, hält aber fest, dass die Vertreter der Opposition am Runden Tisch ab 1990 zunehmend an Bedeutung verloren und der Tisch nach der Wahl vom 18. März 1990 als Institution quasi überflüssig wurde. Grenze: Würdigung durch die Regierung (zeitgenössisch, Neues Deutschland 13.03.1990) und Einordnung von jugendopposition.de, jeweils zugeschrieben; die Seite ist eine vom User ausdrücklich zugelassene Einzelausnahme.Gegenprobe: Gutzeit (SDP) sagte im Rückblick, die Legitimierung des Tisches habe auf sehr wackeligen Füßen gestanden: „Uns hatte ja keiner gewählt“ (c-038); laut jugendopposition.de veränderte zudem der nachträgliche Beitritt staatsnaher Organisationen wie des FDGB das Kräfteverhältnis zugunsten der herrschenden Mächte.
- [42] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 5. März 1990 legten die Minister ohne Geschäftsbereich Gerd Poppe und Tatjana Böhm dem Zentralen Runden Tisch eine Sozialcharta mit neun Punkten vor, die der Regierung als Verhandlungsgrundlage für die Wirtschafts- und Währungsunion dienen sollte; die Mehrheit stimmte zu, der Demokratische Aufbruch und die Vereinigte Linke enthielten sich, und die tageszeitung schrieb, nicht nur die Vereinigte Linke habe gewusst, dass hier eher Wunschvorstellungen als eine reale Verhandlungsbasis gebündelt wurden. Grenze: Zeitgenössische Presseberichte (Berliner Zeitung, taz vom 06.03.1990) auf ddr89.de; das Recht auf Arbeit wurde laut taz durch einen SPD-Ergänzungsantrag ohne staatliche Garantie formuliert.Gegenprobe: Die Berliner Zeitung schrieb am 6. März 1990, so lobenswert die Bemühungen um soziale Absicherungen seien, fraglich bleibe, was nach dem 18. März von Bestand sein werde.
- [43] ● Belegt (Primärquelle): Am 19. Februar 1990 unterstützte der Zentrale Runde Tisch in seiner 13. Sitzung mit 20 Stimmen bei 11 Enthaltungen einen Antrag der Arbeitsgruppe „Gleichstellung von Frauen und Männern“ zum geplanten Wahlgesetz, der unter anderem paritätisch besetzte Wahlkommissionen verlangte; Werner Schulz (Neues Forum) fragte in der Debatte den Unabhängigen Frauenverband, ob er die Forderung, die ersten vier Listenplätze paritätisch zu besetzen, selbst erfüllen könne. Grenze: Ob die Volkskammer die Vorschläge in das Wahlgesetz übernahm, belegt die Quelle nicht; Schulz' Frage ist als Frage wiedergegeben, nicht als Ablehnung.
- [44] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 8. Januar 1990 endete die 6. Sitzung des Zentralen Runden Tisches vorzeitig, nachdem die Teilnehmer mit dem Bericht des zivilen Beauftragten des Ministerrates, Peter Koch, zur Auflösung des Amtes für Nationale Sicherheit unzufrieden waren und Vertreter der Opposition ultimativ verlangt hatten, Ministerpräsident Modrow solle binnen zwei Stunden einen Bericht zur Sicherheitslage geben; die Neue Zeit wandte ein, Modrow sei zu dieser Zeit schon auf dem Weg zur Sofioter RGW-Tagung gewesen, und die Beratung wurde auf den 15. Januar 1990 vertagt. Grenze: Zeitgenössische Berichte (Neue Zeit 09.01.1990 und weitere Blätter auf ddr89.de); die Wertung „beim besten Willen“ ist die der Neuen Zeit.
- [45] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 12. März 1990 nahm der Zentrale Runde Tisch mit knapper Mehrheit ein von der SPD eingebrachtes Papier an, das die Regierung Modrow aufforderte, ihre Verordnung zur Umwandlung volkseigener Betriebe in Kapitalgesellschaften außer Kraft zu setzen, die Privatisierung des Volkseigentums vorzubereiten und ein Kartellamt zu schaffen. Grenze: Sitzungsbericht vom 12. März 1990; die Schätzung der SPD und Ullmanns Frage stehen in eigenen Claims.Gegenprobe: Gysi befürchtete einen Ausverkauf (c-111); Ullmann nannte die Verfügung über das Volkseigentum die Grundfrage der Politik (c-112).
- [110] ◐ Belegt (Sekundärquelle): 1990 wird ein Anteil von etwa 40 000 Mark genannt, mit dem Eigentum beispielsweise an Wohnraum erworben werden solle. Grenze: Schätzwert der SPD im Sitzungsbericht, keine amtliche Bewertung des Volkseigentums.Gegenprobe: Gysi befürchtete durch denselben Entwurf einen Ausverkauf (c-111).
- [111] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Gregor Gysi wandte sich am 12. März 1990 für die PDS gegen den SPD-Entwurf, weil durch ihn ein Ausverkauf der DDR zu befürchten sei. Grenze: Das Wort Ausverkauf steht hier als Gysis Befürchtung im Sitzungsbericht.Gegenprobe: Der Tisch nahm den Entwurf trotzdem mit knapper Mehrheit an (c-045).
- [112] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Berliner Zeitung vom 13. März 1990 nannte Minister Wolfgang Ullmann die Frage, ob das Volkseigentum anteilmäßig den 16 Millionen Bürgern der DDR übertragen oder nach einer Währungsunion westdeutschen Firmen als Konkursmasse angeboten werde, die Grundfrage der Politik. Grenze: Zeitungsbericht vom Folgetag der Sitzung.Gegenprobe: Die SPD nannte in ihrem Papier einen Anteil von etwa 40 000 Mark (c-110).
- [46] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Bei der Volkskammerwahl 1990 galt laut einer Bildunterschrift im Spiegel-Beitrag von Norbert F. Pötzl aus dem Jahr 2020 ein reines Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel, wobei jeder Wähler eine Stimme hatte; die Darstellung auf jugendopposition.de nennt die Formulierung eines neuen Parteien- und Wahlgesetzes als Beispiel dafür, wie der Runde Tisch an Reformen mitwirken wollte, und Gerd Poppe (Initiative Frieden und Menschenrechte) nannte im Februar 1990 das Wahlgesetz an erster Stelle dessen, was die Regierung bis zur Wahl leisten solle. Grenze: Das Wahlsystem belegt der Spiegel (Bildunterschrift), Wikipedia nur ergänzend; das Datum des Wahlgesetzes steht nur bei Wikipedia und wird deshalb nicht übernommen. jugendopposition.de und Poppe belegen die Rolle des Wahlgesetzes.
- [47] ● Belegt (Primärquelle): Das Neue Forum legte am 14. November 1989 Grundsätze für ein neues Wahlgesetz vor, nach denen die Hälfte der Mandate durch Direktwahl in Wahlkreisen und die andere Hälfte nach dem Stimmenanteil der Parteien und Organisationen vergeben, jede Wahl geheim mit Pflicht zur Wahlkabine abgehalten und von Beobachtern der Parteien und jeder zur Wahlkontrolle gebildeten Bürgerinitiative kontrolliert werden sollte. Grenze: Vorschlag eines Mitglieds des Neuen Forums (Klaus T.), veröffentlicht in der Leipziger Volkszeitung 23./24.12.1989; gewählt wurde 1990 nach reinem Verhältniswahlrecht (c-046).Gegenprobe: Lothar de Maizière (CDU) sagte 2010 im Streitgespräch der Zeitung „Das Parlament“ (Quelle von c-085), am Runden Tisch hätten viele ein Wahlsystem wie im Westen gewollt, seine Seite dagegen ein reines Verhältniswahlrecht, weil niemand Zeit gehabt habe, sich in seinem Wahlkreis als Person bekannt zu machen; gewählt wurde 1990 nach reinem Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel (c-046).
- [48] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Bürgerbewegung Demokratie Jetzt erklärte laut der Zeitung „Neue Zeit“ vom 4. Dezember 1989, die Änderung des Artikels 1 der DDR-Verfassung sei nur ein erster Schritt einer tiefgreifenden Verfassungsreform, das Land brauche eine neue Verfassung; für ihre Unterschriftensammlung seien bis Ende November mehr als 100 000 Unterschriften eingegangen. Grenze: Sprechererklärung einer Bürgerbewegung in einer ADN-Meldung; die Unterschriftenzahl ist eine Angabe der Organisatoren.Gegenprobe: Die Volkskammer änderte am 1. Dezember 1989 Artikel 1 der Verfassung (c-023); laut Bundesstiftung Aufarbeitung hatte sie bereits im November 1989 eine Kommission eingesetzt, um die bisherige Verfassung zu ändern und eine neue auszuarbeiten (Quelle von c-049).
- [49] ● Belegt (Primärquelle): In seiner ersten Sitzung am 7. Dezember 1989 vereinbarte der Zentrale Runde Tisch, sofort mit der Erarbeitung des Entwurfes einer neuen Verfassung zu beginnen, dafür eine paritätisch zusammengesetzte Arbeitsgruppe zu berufen und die neue Verfassung nach Neuwahlen 1990 in einem Volksentscheid bestätigen zu lassen; laut Bundesstiftung Aufarbeitung ging eine eigene Kommission, nicht an der Volkskammer, auf einen Kompromissvorschlag von Ina Merkel (UFV) zurück. Grenze: Beschluss des Gremiums; ob der Runde Tisch als nicht gewähltes Gremium dafür legitimiert war, war schon in der Sitzung umstritten.Gegenprobe: Die Volkskammer hatte bereits im November 1989 eine eigene Verfassungskommission eingesetzt; laut Erinnerungsdebatten kam es zu keiner engen Zusammenarbeit der beiden Gremien.
- [50] ● Belegt (Primärquelle): Die Arbeitsgruppe „Neue Verfassung“ des Runden Tisches erklärte laut der Zeitung „Neue Zeit“ vom 20. Dezember 1989, ihre vordringliche Aufgabe sei der Entwurf einer neuen Verfassung der DDR, und berief Professor Schöneburg als Experten; laut Bundesstiftung Aufarbeitung bestätigte der Runde Tisch am 18. Dezember 1989 Michael Koplanski (DBD) und Gerd Poppe (IFM) als Einberufer, und die Gruppe arbeitete in Unterarbeitsgruppen mit rund 30 Mitarbeitern aus allen am Tisch vertretenen Parteien und Gruppierungen sowie rund 20 Experten aus der DDR und der Bundesrepublik. Grenze: Zahlen zur Besetzung sind Angaben der Bundesstiftung Aufarbeitung (Erinnerungsdebatten), keine Teilnehmerliste.Gegenprobe: Laut Bundesstiftung Aufarbeitung griffen die Vertreter der alten Macht auf juristischen Sachverstand aus der DDR zurück, während die neuen Kräfte intensive Beratung aus Westdeutschland erhielten; Das Parlament nennt 2019 als hinzugezogene Fachleute aus der Bundesrepublik Ulrich K. Preuß und Helmut Simon (Quelle von c-052).
- [51] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Zentrale Runde Tisch beschloss laut Berliner Zeitung vom 13. März 1990 in seiner letzten Sitzung mit Mehrheit, der künftigen Volkskammer einen Volksentscheid über eine neue Verfassung am 17. Juni vorzuschlagen und den Entwurf im April der Öffentlichkeit zur Diskussion zu stellen; laut Bundesstiftung Aufarbeitung stimmten SPD, Demokratischer Aufbruch, CDU und LDPD dagegen. Grenze: Pressebericht über die Sitzung; das Wortprotokoll der 16. Sitzung liegt nicht als Snapshot vor.Gegenprobe: Die Begründung der vier Gegenstimmen steht im folgenden Claim (c-052).
- [52] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Vertreter von SPD, DA, CDU und LDPD, die nach der Wahl die Regierungskoalition bildeten, begründeten ihre ablehnenden Stimmen am 12. März 1990 laut Peter Pragal (Das Parlament, 2019) damit, dass nach der Wahl die Verfassungsbefugnis an die Volkskammer übergehen müsse; einige argwöhnten, Verfassungsexperimente könnten die erstrebte Vereinigung belasten, und Lothar de Maizière (CDU) betonte, die Weiterarbeit geschehe nicht mehr unter der Verantwortung des Gremiums. Grenze: Wiedergabe der Begründungen in einem Rückblick von 2019 und auf den Erinnerungsdebatten; Richard Schröder (SPD) begründete sein Votum laut Pragal zudem damit, das Papier spiegle nicht die Haltung aller Teilnehmer der Arbeitsgruppe.Gegenprobe: Gerd Poppe nannte den Entwurf laut Neuer Zeit eine „vorzügliche Grundlage“ für eine gesamtdeutsche verfassungsgebende Versammlung (c-053); Templin betonte, der Entwurf trage die Unterschrift aller beteiligten Parteien und Gruppierungen einschließlich der CDU (c-103), und Poppe sagte 2010, die Arbeitsgruppe habe lediglich ihren Auftrag erfüllt (c-108).
- [53] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Minister Gerd Poppe nannte die Inhalte des Entwurfs laut der Zeitung „Neue Zeit“ vom 13. März 1990 eine „vorzügliche Grundlage“ für eine gesamtdeutsche verfassungsgebende Versammlung, und Gerhard Weigt (Demokratie Jetzt) beschrieb ihn laut Berliner Zeitung als großes Vermächtnis des Runden Tisches, das die Bevölkerung der DDR vor bestimmten Ansprüchen aus der BRD schützen und einen gleichberechtigten Weg in die Vereinigung sichern könne; die Grundrechte, auch soziale wie das Recht auf Wohnung, sollten nach Weigts Darstellung einklagbar werden. Grenze: Selbstdeutung von Mitautoren des Entwurfs; Poppe war zu diesem Zeitpunkt Minister ohne Geschäftsbereich der Regierung Modrow.Gegenprobe: Die Vertreter von SPD, DA, CDU und LDPD, der späteren Koalitionsparteien, meinten, nach der Wahl müsse die Verfassungsbefugnis an die Volkskammer übergehen (c-052); ob die sozialen Rechte einklagbar sein sollten, beurteilen die Bundesstiftung Aufarbeitung und der Berater Ulrich K. Preuß unterschiedlich (c-055).
- [54] ● Belegt (Primärquelle): Der im April 1990 vorgelegte Verfassungsentwurf der Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ sah unter anderem ein Recht auf angemessenen Wohnraum mit Kündigungsschutz (Art. 25), ein Recht auf Arbeit oder Arbeitsförderung (Art. 27), die Unzulässigkeit von Kartellen und marktbeherrschenden Unternehmen (Art. 30), Gesetzgebung auch durch Volksentscheid auf Volksbegehren (Art. 89 und 98) sowie das Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ als Wappen des Staates vor; die Präambel stammte laut Das Parlament 2019 von Christa Wolf. Grenze: Auswahl einzelner Artikel; der Entwurf umfasst laut Neuer Zeit rund 140 Artikel.Gegenprobe: Laut Das Parlament 2019 orientierte sich der Entwurf am Grundgesetz und ging vor allem bei Grund- und Sozialrechten sowie plebiszitären Elementen darüber hinaus.
- [55] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Bundesstiftung Aufarbeitung (Erinnerungsdebatten) sind die sozialen Grundrechte im Verfassungsentwurf zwar nicht als Garantien zu verstehen, aber verpflichtend festgeschrieben und einklagbar; der Berater Ulrich K. Preuß sagte 2015 in der Sendereihe „Deutsche Rufe“ dagegen, ein Recht der Art „Arbeitsplatz – ich hab ein Recht, also musst du mir einen Arbeitsplatz beschaffen“ sei nicht möglich gewesen, man habe stattdessen Abwägungsregeln gefunden; der Entwurf selbst erlaubt in Art. 40 die Klage auf dem Rechtsweg, wenn jemand in seinen Menschen- und Bürgerrechten verletzt wird. Grenze: Rechtliche Einordnung eines nie in Kraft getretenen Entwurfs; eine gerichtliche Praxis dazu gibt es nicht.Gegenprobe: Art. 27 des Entwurfs gibt jedem Bürger das Recht auf „Arbeit oder Arbeitsförderung“ und verpflichtet den Staat, dem Ziel der Vollbeschäftigung „in der Regel“ Vorrang einzuräumen (Entwurfstext wie zu Art. 40).
- [56] ● Belegt (Primärquelle): Der Entwurf vom April 1990 bekannte sich in Art. 41 zum Ziel der Herstellung der Einheit der beiden deutschen Staaten und bestimmte in Art. 132, dass bei einer Einheit durch Beitritt zur Bundesrepublik die Voraussetzungen, unter denen das Grundgesetz in Kraft gesetzt wird, durch eine Vereinbarung zu regeln seien, die zwei Drittel der Volkskammer und einen Volksentscheid brauche; Gerd Poppe sagte 2015 in einem Rundfunkbeitrag von Thilo Schmidt, es sei eine Verfassung für die DDR bis zur ausdrücklich gewollten deutschen Einheit gewesen. Grenze: Wortlaut des Entwurfs und Rückblick eines Mitautors; wie eine solche Vereinbarung 1990 verhandelt worden wäre, bleibt offen.Gegenprobe: Laut Deutschlandfunk Kultur sahen andere im Entwurf eine Fortschreibung der DDR; die Bundesstiftung Aufarbeitung schreibt, der AG-Bericht wende sich gegen einen Beitritt nach Art. 23.
- [57] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Arbeitsgruppe übermittelte den fertigen Entwurf laut Das Parlament 2019 am 4. April 1990 der Volkskammer und schickte 400 gedruckte Exemplare an die Fraktionen, die nicht oder nur teilweise verteilt wurden; den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Grüne, den Entwurf im Plenum zu behandeln, lehnte die Volkskammer am 26. April 1990 mit 179 zu 167 Stimmen ab, ebenso die Überweisung an die Ausschüsse, und Poppe nannte das laut Radio DDR1 eine Entscheidung, bei der atemberaubende Ignoranz zum Vorschein komme. Grenze: Das Volkskammer-Protokoll vom 26.04.1990 liegt nicht als Snapshot vor; die ddr89.de-Seiten zu den Reden Poppes und Ullmanns enthalten nur Videos. Stimmenzahl nach Das Parlament 2019.Gegenprobe: Laut Radio DDR 1 sprach auch der SPD-Abgeordnete Fischer von einem Tiefschlag gegen die Demokratie; die Gründe der Mehrheit stehen in c-058.
- [58] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Regierungsfraktionen begründeten ihre Ablehnung im April 1990 laut Das Parlament 2019 damit, der Weg über Art. 23 sei mit der freien Volkskammerwahl faktisch entschieden und der andere Weg zu umständlich und zeitraubend; die Abgeordnete Kögler (Fraktion Christlich-Demokratische Union) fragte, wozu man noch eine Verfassung brauche, die nur eine Übergangsregelung und ein Hindernis für die schnelle Einheit wäre; Poppe hielt dem entgegen, im April 1990 habe niemand gewusst, wie lange es bis zur Einheit dauern werde, und Wolfgang Templin sagte 2015 selbstkritisch, die Zeit sei ihnen davongerannt. Grenze: Begründungen der Mehrheit nach Rückblicken von 2015 und 2019; Köglers Worte im Tonmitschnitt des Deutschlandfunks.Gegenprobe: Templin hielt die Ablehnung der wiederholten Oppositionsanträge durch die neue Volkskammer nicht für von Sachargumenten getragen (c-103); Poppe nannte die Entscheidung vom 26. April 1990 laut Radio DDR 1 eine, bei der atemberaubende Ignoranz zum Vorschein komme (c-057).
- [108] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Auf der Seite DDR 1989/90 steht, der ZRT habe ein Mandat für eine Weiterarbeit über das Ende des ZRT hinaus gegeben; dagegen waren der DA, die CDU und die SPD. Grenze: Redaktioneller Begleittext, keine Sitzungsniederschrift der Abstimmung.Gegenprobe: Schröder sprach der Arbeitsgruppe die Legitimation ab (c-126); Templin schrieb, der Entwurf trage die Unterschrift aller beteiligten Parteien einschließlich der CDU (c-103).
- [126] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Richard Schröder von der SPD sagte in der letzten Sitzung des Zentralen Runden Tisches am 12. März 1990, das eingebrachte Papier spiegle nicht die Haltung aller Teilnehmer der Arbeitsgruppe wider, und sprach ihr die Legitimation ab, dem Volk einen Verfassungsentwurf zur Abstimmung vorzulegen. Grenze: Redaktioneller Begleittext von ddr89.de, der Schröder wiedergibt.Gegenprobe: Poppe entgegnete 2010, die Arbeitsgruppe habe ihren Auftrag erfüllt (c-127).
- [127] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Gerd Poppe, Einberufer der Arbeitsgruppe Verfassung, sagte 2010, die Arbeitsgruppe habe lediglich den Auftrag erfüllt, den sie bekommen habe. Grenze: Der Begleittext schreibt den Satz einer Podiumsdiskussion im März 2010 zu.Gegenprobe: Schröder hatte der Arbeitsgruppe 1990 die Legitimation abgesprochen (c-126).
- [128] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Grundsätze der Koalitionsvereinbarung vom 12. April 1990 sahen Übergangsregelungen vor, die sowohl die Verfassung von 1949 als auch den Verfassungsentwurf des Runden Tisches berücksichtigen. Grenze: Zitat der Vereinbarung im Begleittext, nicht als eigenes Dokument gesichert.Gegenprobe: Am 26. April 1990 lehnte die Volkskammer die Erörterung des Entwurfs ab (c-129).
- [129] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 26. April 1990 lehnte die Volkskammer den Antrag der Fraktion Bündnis 90/Grüne Partei, den Verfassungsentwurf zu erörtern, mit 179 zu 167 Stimmen ab. Grenze: Zahlen aus dem Begleittext von ddr89.de.Gegenprobe: Dieselbe Ablehnung steht auch bei Pragal (c-057).
- [103] ● Belegt (Primärquelle): Wolfgang Templin, der als Oppositionsvertreter der Arbeitsgruppe „Neue Verfassung“ angehörte, schrieb 1990 in den Gewerkschaftlichen Monatsheften, die Arbeitsgruppe sei auf Initiative der neuen demokratischen Kräfte entstanden, bis Ende Januar 1990 habe die Hoffnung bestanden, mit einer neuen Verfassung zur Demokratisierung der DDR auf eigenständiger Grundlage beizutragen, und in der Gruppe habe weitgehender Konsens über die Notwendigkeit einer eigenständigen neuen Verfassung bestanden; der Entwurf trage die Unterschrift aller beteiligten Parteien und Gruppierungen einschließlich der CDU, und die Ablehnung der wiederholten Oppositionsanträge durch die neue Volkskammer sei nach seiner Auffassung nicht von Sachargumenten getragen, obwohl auch sozialdemokratische Redner der Koalition den Entwurf in der Sache gewürdigt hätten. Grenze: Selbstdeutung eines Mitglieds der Arbeitsgruppe und Vertreters der IFM am Runden Tisch, geschrieben nach der Volkskammerwahl; die Heftangabe (GMH 5/6/1990, S. 370–375) stammt aus dem Digitalisat der Friedrich-Ebert-Stiftung, nicht aus dem ddr89-Snapshot.Gegenprobe: Richard Schröder (SPD) sagte am 12. März 1990, das Papier spiegele nicht die Haltung aller Teilnehmer der Arbeitsgruppe wider (c-108); die Vertreter von SPD, DA, CDU und LDPD meinten, nach der Wahl müsse die Verfassungsbefugnis an die Volkskammer übergehen (c-052), und die Regierungsfraktionen begründeten die Ablehnung im April 1990 damit, der Weg über Art. 23 sei mit der freien Volkskammerwahl faktisch entschieden und der andere Weg zu umständlich und zeitraubend (c-058).
- [59] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Zentrale Runde Tisch beschloss am 5. Februar 1990 laut Berliner Zeitung mehrheitlich, dass seine Teilnehmer bei allen öffentlichen Wahlveranstaltungen auf Gastredner aus der BRD und Westberlin verzichten; CDU und Demokratischer Aufbruch sprachen dem Runden Tisch nach einem auf der Archivseite ohne Zeitungsangabe wiedergegebenen Sitzungsbericht in dieser Frage die Kompetenz ab. Grenze: Der Beschluss war eine Selbstverpflichtung der Tischteilnehmer, kein Gesetz; die Aussage zu CDU und DA steht in einem Bericht ohne Zeitungsangabe.Gegenprobe: Die DSU, die nur als Beobachter zugelassen war, erklärte die Empfehlung für sich als nicht maßgeblich (c-060).
- [60] ● Belegt (Primärquelle): Hans-Wilhelm Ebeling, Vorsitzender der DSU, sagte der Jungen Welt am 21. Februar 1990, seine Partei verstehe sich als Schwesterpartei von CSU und CDU, Auftritte von Theo Waigel und Helmut Kohl seien geplant, die Empfehlung des Runden Tisches gegen solche Wahlunterstützung sei für die DSU nicht maßgeblich, und man sei sehr froh über diese Unterstützung. Grenze: Interviewaussage eines Parteivorsitzenden im Wahlkampf.Gegenprobe: Der Runde Tisch hatte am 5. Februar 1990 mehrheitlich beschlossen, dass seine Teilnehmer bei öffentlichen Wahlveranstaltungen auf Gastredner aus der BRD und Westberlin verzichten (c-059).
- [61] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Norbert F. Pötzl zufolge (Spiegel, 2020) unterstützten die westdeutschen Parteien ihre ostdeutschen Parteifreunde im Wahlkampf 1990: Die Union finanzierte die Allianz für Deutschland mit 4,5 Millionen Mark, SPD und FDP gaben jeweils rund 1,5 Millionen Mark, und Bundeskanzler Kohl trat als Wahlkämpfer in der DDR auf; Lothar de Maizière schrieb 2010, er habe den Eindruck gehabt, Kohl habe seit den freien Wahlen die DDR quasi als sein Operationsgebiet betrachtet. Grenze: Zahlen nach einem Spiegel-Rückblick von 2020; de Maizières Satz ist eine spätere Erinnerung aus seinem Buch, auf ddr89.de zitiert.Gegenprobe: Die DSU begrüßte die Unterstützung ausdrücklich (c-060); der Runde Tisch hatte am 5. Februar 1990 mehrheitlich beschlossen, dass seine Teilnehmer auf Gastredner aus der BRD und Westberlin verzichten (c-059).
- [62] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Bundesstiftung Aufarbeitung (Erinnerungsdebatten) trat die Allianz für Deutschland aus Ost-CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch im Wahlkampf 1990 für den Beitritt nach Artikel 23 ein, Bündnis 90 und die ostdeutschen Grünen stellten sich dagegen und wollten zunächst eine Demokratisierung der DDR und eine Einheit nach Artikel 146, die Ost-SPD verfolgte zunächst ebenfalls den Weg über Artikel 146, und die PDS warb für eine konföderative Struktur. Grenze: Zusammenfassung der Bundesstiftung Aufarbeitung; Wahlprogramme liegen nicht als Snapshot vor.Gegenprobe: Ebelings Interview vom 21.02.1990 (c-064) bestätigt für die DSU das Ziel einer möglichst schnellen Einheit.
- [63] ● Belegt (Primärquelle): Demokratie Jetzt (Bündnis 90) erklärte in der Berliner Zeitung vom 16. März 1990, ohne Unterstützung der Bundesrepublik sei die soziale Abfederung des Übergangs zur Marktwirtschaft nicht möglich, zu blindem Vertrauen in Zusagen sehe man aber keinen Grund, und über die von den Bürgerbewegungen vorgeschlagene Sozialcharta müsse nach dem 18. März verhandelt werden, bevor mit der Währungsunion vollendete Tatsachen geschaffen würden. Grenze: Wahlaussage einer Bürgerbewegung.Gegenprobe: Demokratie Jetzt nannte im selben Text den Übergang von einer verschwenderischen Kommando- zu einer effizienten Marktwirtschaft ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft; Ebeling (DSU) meinte, die DDR finde wirtschaftlich allein nicht mehr aus dem Schlamassel (c-064).
- [64] ● Belegt (Primärquelle): Hans-Wilhelm Ebeling (DSU) begründete das Ziel einer möglichst schnellen Einheit am 21. Februar 1990 damit, die DDR finde wirtschaftlich allein nicht mehr aus dem Schlamassel, als selbständiger Staat sei sie für die BRD Ausland, in dem sich Investitionen nicht lohnten, und warf vor allem den linken Gruppierungen vor, mit der Angst Politik zu machen, um die Einheit zu verhindern, die die Menschen wollten. Grenze: Wahlkampfinterview; Ebelings Einschätzung der Wirtschaftslage beruft sich auf nicht genannte Informationen aus Bonn.Gegenprobe: Demokratie Jetzt sah im Unterschied zu Parteien, die sich auf Zusagen ihrer Schwesterparteien verließen, keinen Grund zu blindem Vertrauen und verlangte Verhandlungen über die Sozialcharta, bevor mit der Währungsunion vollendete Tatsachen geschaffen würden (c-063).
- [106] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut der Übersichtsseite zum Neuen Forum auf ddr89.de formulierte Bärbel Bohley im November 1989, man wolle über sich selbst bestimmen und sich das, was 40 Jahre verwehrt wurde, nicht von der BRD nehmen lassen, und Gerd Poppe von der Initiative Frieden und Menschenrechte sagte im Juli 1990 in einem Interview, bei der Opposition habe Übereinstimmung bestanden, etwas Eigenes machen und nichts kopieren zu wollen; dieselbe Seite hält fest, für viele DDR-Bürger sei die BRD Vorbild gewesen, und gibt deren Einwand wieder, warum man den Weg über eine Konföderation gehen solle, wenn das Ziel direkt zu erreichen war. Grenze: Zitate aus zweiter Hand: Die Seite belegt Bohley und Poppe mit Fußnoten, die Originale (November 1989, Interview Juli 1990) sind nicht gesichert.Gegenprobe: Die Seite selbst nennt die Gegenposition vieler DDR-Bürger; Ebeling (DSU) begründete die schnelle Einheit wirtschaftlich (c-064), und die Bundesstiftung Aufarbeitung sieht in der Wahl vom 18. März 1990 ein Votum der eindeutigen Mehrheit für eine möglichst rasche Vereinigung (c-067).
- [65] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 kam laut Norbert F. Pötzl die CDU auf 40,8 Prozent, die SPD auf 21,9 Prozent, die PDS auf 16,4 Prozent und das Bündnis 90 (Neues Forum, Initiative für Frieden und Menschenrechte, Demokratie Jetzt) auf 2,9 Prozent; die Allianz für Deutschland kam laut Pötzl zusammen auf 48 Prozent, die Wahlbeteiligung lag bei 93,4 Prozent, und die Wahlkommission der DDR erklärte die Wahl für ordnungsgemäß durchgeführt (Neues Deutschland, 24.03.1990). Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt für die Allianz 56,1 Prozent. Grenze: Prozentzahlen der einzelnen Listen und die 48 Prozent der Allianz nach Spiegel 2020 (Pötzl). Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt für die Allianz einen Stimmenanteil von 56,1 Prozent; der Snapshot sagt nicht, woraus die Differenz zu Pötzls 48 Prozent entsteht. Die Wahlkommission nennt im Neuen Deutschland vom 24.03.1990 nur absolute Stimmenzahlen, keine Parteiprozent. Eine amtliche Prozentzahl liegt im erlaubten Quellenstand nicht vor. Die Zusammensetzung der Allianz trägt dieser Claim nicht; dafür steht c-062.Gegenprobe: Die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt für die Allianz 56,1 Prozent Stimmenanteil und für die Bürgerbewegungen ebenfalls 2,9 Prozent. Der Stimmenanteil 56,1 ist in ihrem Text der Allianz als Wahlsieger zugeordnet, nicht als Sitzanteil.
- [66] ● Belegt (Primärquelle): Gerd Poppe, Spitzenkandidat des Bündnis 90 in Erfurt, sagte der taz am 19. März 1990, das Versprechen der D-Mark habe der CDU zum Wahlsieg verholfen und die massive Einmischung von Westen habe die Wahl entschieden, und er hätte sich von den DDR-Bürgern mehr Souveränität erhofft; Ina Merkel, Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbandes, schrieb am 21. März 1990, der soziale Druck sei durch den aufgedrängten permanenten Vergleich mit der Bundesrepublik verstärkt worden, und viele Frauen sähen in den Männern von der CDU die Garanten einer gesicherten Zukunft. Grenze: Deutungen unterlegener Kandidaten und Gruppen am Tag nach der Wahl.Gegenprobe: Poppe sagte im selben Gespräch auf die Frage, ob das Bündnis zu intellektuell gewesen sei, wenn das ein Fehler sei, habe man ihn sicher gemacht, und nannte es einen Fehler der SPD, zu früh mit dem Wahlkampf aufgehört zu haben; Pötzl nannte die Wahl ein Bekenntnis der DDR-Bürger zur Demokratie, die Bundesstiftung Aufarbeitung ein Votum der eindeutigen Mehrheit für eine möglichst rasche Vereinigung (c-067).
- [67] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Norbert F. Pötzl nannte die Volkskammerwahl 2020 ein Bekenntnis der DDR-Bürger zur Demokratie, die Bundesstiftung Aufarbeitung sieht darin ein Votum der eindeutigen Mehrheit für eine möglichst rasche Vereinigung, und Pfarrer Ebeling (DSU) sagte nach der Wahl 1990 der taz, gewonnen hätten alle, die damals auf die Straße gegangen seien; Annett Gröschner sagte 2015, die Bürgerbewegung habe falsch eingeschätzt, wie verunsichert die Menschen in der DDR waren. Grenze: Rückblickende Einordnungen; Ebelings Aussage stammt aus einem Wahlabendgespräch, die taz druckte es am 20.03.1990.Gegenprobe: Gröschner sprach im selben Gespräch auch von einer „knallenden Niederlage“ und einem westdeutschen Wahlkampf; Poppes und Ina Merkels Deutungen stehen in c-066.
- [68] ◐ Belegt (Sekundärquelle): 1990 geriet Schnurs Ruf als Demokrat und Chef des DA in Gefahr, seit nicht-parteigebundene Bürger in Rostock auf Akten des Ministeriums für Staatssicherheit gestoßen waren. Grenze: Der Spiegel gibt den Fund eines Untersuchungsausschusses in Rostock wieder; das Dossier prüft die Akte nicht selbst.Gegenprobe: Schnur ließ bestreiten, je für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben, und ein Aufruf nannte die Vorwürfe grundlos (c-113).
- [113] ◐ Belegt (Sekundärquelle): 1990 ließ Schnur über Rainer Eppelmann erklären, er habe nie für die Staatssicherheit gearbeitet; Volker Rühe sprach von Ehrabschneiden, und ein Aufruf hielt fest, die Vorwürfe gegen Wolfgang Schnur entbehrten jeder Grundlage. Grenze: Beide Sätze stehen im Spiegel-Bericht vom 11. März 1990.Gegenprobe: Der Bericht selbst gibt den Rostocker Aktenfund wieder (c-068).
- [115] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Norbert F. Pötzl schreibt, Schnur sei am 14. März vom DA-Vorsitz zurückgetreten und einen Tag später ausgeschlossen worden, nachdem Anfang März 1990 seine Stasi-Akte gefunden worden sei. Grenze: Rückblick des Spiegel von 2020, nicht das Protokoll des Ausschlusses.Gegenprobe: Schnur hatte die Arbeit für die Staatssicherheit zuvor bestreiten lassen (c-113).
- [69] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Spiegel berichtete am 25. März 1990 über Vorwürfe, der SPD-Vorsitzende Ibrahim Böhme habe unter mehreren Decknamen für die Stasi gearbeitet; Böhme wies laut Berliner Zeitung vom 27. März 1990 alle Anschuldigungen zurück und ließ seine Ämter ruhen, der SPD-Vorstand stellte sich hinter ihn, und am 1. April 1990 legte er alle Parteiämter nieder; laut einem SWR-Manuskript von Gregor Papsch wurde er 1992 aus der SPD ausgeschlossen. Grenze: Die Decknamen nennt der Spiegel 1990 als Vorwurf ehemaliger Stasi-Offiziere; der Ausschluss 1992 steht in einem Rundfunkmanuskript von 2021.Gegenprobe: Böhme sagte laut Spiegel zu den genannten Decknamen „Ich kenne nicht einen“ und vermutete eine Kampagne; der SPD-Vorstand erklärte laut Berliner Zeitung, anonyme und durch nichts belegte Anschuldigungen von Stasi-Mitarbeitern seien nicht geeignet, seine Glaubwürdigkeit und Ehrenhaftigkeit zu erschüttern.
- [70] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Werner Fischer, Regierungsbeauftragter für die Auflösung der Stasi-Strukturen, sagte laut Spiegel vom 25. März 1990, nach seinen Informationen seien etwa 40 der neugewählten Volkskammerabgeordneten mit der Stasi eng verbandelt. Grenze: Fischers Zahl ist im Spiegel als seine Information wiedergegeben, nicht als Ergebnis einer abgeschlossenen Prüfung.Gegenprobe: Die Neue Zeit meldete am 2. April 1990 eine Entlastung von de Maizière, Böhme und Gysi nach der damaligen Aktendurchsicht (c-118).
- [116] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der amtierende Vorsitzende des DDR-Staatsrates, Manfred Gerlach, sprach sich 1990 für eine Überprüfung aller Volkskammerabgeordneten durch Akteneinsicht aus. Grenze: Meldung vom 26. März 1990 in der Chronik, Quelle Neues Deutschland.Gegenprobe: Fischer nannte eine Schätzung belasteter Abgeordneter (c-070).
- [117] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der PDS-Vorsitzende empfahl 1990 den Abgeordneten, sich im Falle von MfS-Kontakten zu offenbaren, und wandte sich gegen eine Vergeltungsstimmung. Grenze: Chronikmeldung zur Fraktionssitzung, Quelle Neues Deutschland vom 27. März 1990.Gegenprobe: Gerlach sprach sich für eine Überprüfung aller Abgeordneten aus (c-116).
- [118] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Neue Zeit meldete am 2. April 1990, Lothar de Maizière, Ibrahim Böhme und Gregor Gysi seien entlastet aus der Überprüfung ihrer Stasi-Akten hervorgegangen. Grenze: Die Meldung gibt für alle drei nur den Stand einer Aktendurchsicht im April 1990 wieder. Das Dossier trifft zu keinem der drei ein eigenes Urteil.Gegenprobe: Dieselbe Meldung hält fest, dass unter anderen Stolpe und Gysi die Akten de Maizières gesehen hatten; zuvor waren die Unterlagen über Gysi gesichtet worden.
- [71] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Im Spiegel erklärte de Maizière 1990, er habe sich nichts vorzuwerfen, und habe dem Kanzler sein Wort gegeben, lediglich im Rahmen seiner Anwaltstätigkeit mit der Stasi in Berührung gekommen zu sein. Grenze: Wiedergabe des Spiegel vom 25. März 1990, einschließlich der Angabe, Überläufervernehmungen stützten die Darstellung nicht als eigenen Befund des Dossiers.Gegenprobe: Im Dezember 1990 berichtete der Spiegel über eine Findekarte zum Pseudonym Czerny (c-119); Pötzl schreibt 2020, eine bewusste Zusammenarbeit sei nicht nachzuweisen (c-121).
- [119] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Spiegel berichtete im Dezember 1990, auf einer Findekarte sei das Stasi-Pseudonym Czerny mit Lothar de Maizière verknüpft worden, und de Maizière habe am vorigen Montag den Rücktritt als Sonderminister bekanntgegeben. Grenze: Spiegel 50/1990 und 52/1990. Das Datum der Bekanntgabe bleibt bei „am vorigen Montag“; ein Tagesdatum setzt das Dossier nicht.Gegenprobe: Im März 1990 hatte de Maizière erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen (c-071).
- [120] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Gregor Gysi sagte 1990, er könne die Vorwürfe, de Maizière habe auch für die Staatssicherheit gearbeitet, nicht glauben. Grenze: Wiedergabe im Spiegel 52/1990.Gegenprobe: Dieselbe Ausgabe meldet die Bekanntgabe des Rücktritts (c-119).
- [121] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Norbert F. Pötzl schreibt, im Herbst 1990 seien Karteikarten mit dem Decknamen IM Czerni de Maizière zugeordnet worden; eine bewusste Zusammenarbeit mit der Stasi sei nicht nachzuweisen gewesen. Grenze: Rückblick 2020. Das Dossier übernimmt die Grenze, die Pötzl selbst zieht.Gegenprobe: Gysi hatte die Vorwürfe 1990 nicht geglaubt (c-120).
- [72] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Spiegel berichtete am 25. März 1990, Hinweise des Verfassungsschutzes nannten Ost-CDU-Generalsekretär Martin Kirchner eine »Top-Quelle« der Stasi, während Kirchner selbst nur von berufsbedingten Kontakten sprach; im Februar 1992 schrieb der Spiegel, die Stasi habe Kirchner als IM angeworben, und er sei nach der Wende 1989 zeitweilig Generalsekretär der Ost-CDU gewesen. Grenze: Die Angaben von 1990 beruhen auf Überläuferberichten; die Anwerbung nennt der Spiegel 1992 nach Aktenlage. Wann und warum Kirchner seine Ämter abgab, belegt das Dossier nicht.Gegenprobe: Kirchner selbst sprach 1990 laut Spiegel nur von beruflich bedingten Kontakten ohne Geld und ohne Verpflichtung.
- [73] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 12. März 1990 nahm der Zentrale Runde Tisch laut Neue Zeit einen Bericht der Arbeitsgruppe Sicherheit entgegen, wonach von rund 73 000 Mitarbeitern des Amtes für Nationale Sicherheit 67 000 entlassen seien; die Arbeitsgruppe sprach sich, um neues Unrecht zu vermeiden, gegen eine Einsichtnahme der Bürger in ihre Akten aus, und Werner Fischer sprach sich laut Neues Deutschland wiederholt ebenso dagegen aus. Grenze: Zahlen aus dem Bericht der Arbeitsgruppe, wie ihn die Zeitungen wiedergeben.Gegenprobe: Laut Neue Zeit führte die Haltung der Arbeitsgruppe schon in der Sitzung zu neuerlichen Debatten; Fischer sagte nach der Wahl, die Bevölkerung habe ein Recht auf Überprüfung der Abgeordneten (c-074).
- [74] ● Belegt (Primärquelle): Werner Fischer, der mit Regierungsvollmacht die Auflösung der Staatssicherheit kontrollierte, sagte der Zeitung „Die Andere“ am 29. März 1990, er habe zunächst für die Vernichtung der sechs Millionen Personendossiers plädiert, um Erpressbarkeit und eine Pogromstimmung zu vermeiden; nach der Wahl habe die Bevölkerung aber ein Recht auf Überprüfung der Abgeordneten, für das gesamte Archiv sei ihm eine internationale Kontrolle sympathisch. Grenze: Persönliche Einschätzung eines Bürgerrechtlers in einem Interview.Gegenprobe: Joachim Gauck sagte im Juli 1990, man sei gegen die Vernichtung, die Untaten von Staatssicherheit und SED-Führung sollten beweisbar bleiben (c-075); Innenminister Diestel nannte die Vernichtung die sauberste Lösung, schrieb aber, wegen der nötigen Rehabilitierungen verbiete sie sich gegenwärtig (c-076).
- [75] ● Belegt (Primärquelle): Joachim Gauck (Bündnis 90/Grüne), Vorsitzender des Sonderausschusses der Volkskammer zur Kontrolle der Stasiauflösung, sagte der Jungen Welt am 18. Juli 1990, man sei gegen die Vernichtung der Akten, die Untaten von Staatssicherheit und SED-Führung sollten beweisbar bleiben, und der Schaden für die Gesellschaft wäre groß, wenn man sich aus Angst der Aufarbeitung entziehe; einen entscheidenden Fehler sah er bei der Regierung Modrow. Grenze: Interviewaussage des Ausschussvorsitzenden.Gegenprobe: Werner Fischer hatte die Vernichtung der Personendossiers zunächst befürwortet, um Erpressbarkeit zu verhindern (c-074); Innenminister Diestel hielt die Vernichtung für die sauberste Lösung (c-076).
- [76] ● Belegt (Primärquelle): Innenminister Peter-Michael Diestel schrieb in der Berliner Zeitung vom 6. August 1990, die schnellstmögliche Vernichtung der personenbezogenen Stasi-Akten wäre die sauberste Lösung, weil sonst ohne Chancengleichheit überprüft werden könne, wer sich um ein Mandat oder eine Professur bemühe; wegen der nötigen Rehabilitierungen verbiete sich die Vernichtung aber gegenwärtig, und er forderte ein gesondertes Gesetz und die Aufnahme der Grundsätze in den Einigungsvertrag. Grenze: Namensbeitrag des Innenministers; seine Gründe sind hier vollständig wiedergegeben, ohne Bewertung.Gegenprobe: Gauck lehnte die Vernichtung im Juli 1990 ab, weil die Untaten beweisbar bleiben sollten (c-075); Werner Fischer sagte im März 1990, nach der Wahl habe die Bevölkerung ein Recht auf Überprüfung der Abgeordneten (c-074).
- [77] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Am 4. September 1990 besetzten laut jugendopposition.de (Robert-Havemann-Gesellschaft) 23 Bürgerrechtlerinnen und Bürgerrechtler das Aktenarchiv der früheren MfS-Zentrale in Ost-Berlin, traten in Hungerstreik und forderten, das Stasi-Unterlagen-Gesetz in den Einigungsvertrag aufzunehmen; gegen sie wurde, auch auf Initiative von Innenminister Diestel, Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt, und nach Darstellung der Seite führten erst die Aktion und der Protest der Bevölkerung dazu, dass die Akten zugänglich gemacht wurden. Grenze: Darstellung der Robert-Havemann-Gesellschaft auf der ausdrücklich zugelassenen Einzelseite von jugendopposition.de; die Wertung, erst die Besetzung habe zum Erfolg geführt, ist ihre Deutung.Gegenprobe: Diestel hatte schon im August 1990 selbst ein Gesetz und die Aufnahme der Grundsätze in den Einigungsvertrag verlangt (c-076); welchen Anteil die Besetzung am Ergebnis hatte, wird hier nicht entschieden.
- [78] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Der Zentrale Runde Tisch beschloss laut der Archivseite zum Runden Tisch am 19. Februar 1990 einstimmig die Vernichtung der elektronischen Datenträger der Stasi; die Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe nannte diese Entscheidung im Jahr 2000 im Tagesspiegel einen großen Fehler und beklagte, die Opposition habe das Verschwinden von HVA-Materialien nicht verhindern können. Grenze: Zitat aus zweiter Hand: die Archivseite ddr89.de gibt das Tagesspiegel-Interview wieder; das Interview selbst liegt nicht als Snapshot vor.Gegenprobe: Werner Fischer begründete im März 1990 sein anfängliches Plädoyer für die Vernichtung der Personendossiers mit Erpressbarkeit und der Gefahr einer Pogromstimmung (c-074); der Beschluss vom 19. Februar 1990 war laut Archivseite einstimmig.
- [79] ● Belegt (Primärquelle): Der Gemeinsame Ausschuss von SPD und SPD in der DDR unter Johannes Rau und Stephan Hilsberg erklärte im Februar 1990, der Weg zur deutschen Einheit müsse zügig, aber ohne Überstürzung organisiert werden; an erster Stelle stünden Währungsunion, Wirtschaftsreformen und Sozialunion, an zweiter die staatsrechtliche Vorbereitung der Einheit durch die deutschen Parlamente und Regierungen. Grenze: Parteierklärung vor der Volkskammerwahl; ein bestimmter Grundgesetzartikel wird darin nicht genannt.Gegenprobe: Laut Bundesstiftung Aufarbeitung verfolgte die Ost-SPD zunächst den Weg über Artikel 146 (c-062).
- [104] ● Belegt (Primärquelle): Grüne Partei, UFV, IFM und VL beantragten am 19. Februar 1990 in der 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches eine Erklärung, wonach Äußerungen über eine Vereinigung nach Artikel 23 und die Forderung nach sofortiger Währungsunion nur den Schluss zuließen, es gehe um eine einseitige Vereinnahmung der DDR durch die BRD, und der in der DDR erwachte Wille zur Demokratie lasse sich nicht durch einen Federstrich in das System der BRD einpassen. Grenze: Antrag von vier Gruppierungen (Vorlage Nr. 13/23), keine Erklärung des Runden Tisches.Gegenprobe: Konrad Weiß und Uwe Pautz erklärten ihre Ablehnung (c-125).
- [125] ● Belegt (Primärquelle): Konrad Weiß von Demokratie Jetzt und Uwe Pautz vom Demokratischen Aufbruch erklärten am 19. Februar 1990 ihre Ablehnung. Grenze: Protokoll der 13. Sitzung. Ein Abstimmungsergebnis nennt das Protokoll an dieser Stelle nicht.Gegenprobe: Den Antrag, den sie ablehnten, hatten vier Gruppierungen zur Sitzung eingebracht (c-104).
- [80] ● Belegt (Primärquelle): In der Volkskammer am 17. Juni 1990 beantragte die DSU laut Erläuterung der Archivseite den sofortigen Beitritt nach Artikel 23, der Antrag wurde in die Ausschüsse überwiesen; Konrad Weiß (Bündnis 90/Grüne) erklärte, ein interfraktioneller Antrag auf einen Beitritt unter konkreten Konditionen, darunter eine verfassunggebende Versammlung nach Artikel 146 und ein Volksentscheid, könne nicht gestellt werden, weil Abgeordnete von CDU und SPD ihre Unterschrift zurückgezogen hätten; er selbst hätte den Weg nach Artikel 146 bevorzugt und sprach von einer Hatz in die Einheit. Grenze: Rede eines Abgeordneten der Opposition; die Angaben zum DSU-Antrag stehen in der Erläuterung der Archivseite.Gegenprobe: Ministerpräsident de Maizière sagte zwei Wochen später, der Prozess der Einheit gehe nicht zu schnell (c-083); die Regierungsfraktionen hatten im April 1990 argumentiert, der Weg über Art. 23 sei mit der freien Volkskammerwahl faktisch entschieden (c-058).
- [81] ● Belegt (Primärquelle): Konrad Weiß (Demokratie Jetzt, Bündnis 90) sagte der Wochenzeitung „Sonntag“ im Juli 1990, auch er halte den Weg über Artikel 146 weiterhin für den besseren; man habe die Einheit gewollt, aber als politisch gestalteten Prozess, sei von einem viel langsameren Tempo ausgegangen, und der Antrag vom 17. Juni 1990 sei ein letzter Versuch gewesen, in den Einigungsweg einzubringen, was in der DDR an politischer Realität vorhanden sei. Grenze: Rückblickende Selbstdeutung im Interview drei Wochen nach der Sitzung.Gegenprobe: Weiß sah im selben Interview den politischen Weg zur Einheit durch die satten Mehrheiten der Koalitionsparteien der DDR und den massiven Einfluss der CDU/CSU in Bonn markiert; de Maizière sagte am 30. Juni 1990, man diene dem Land am besten, wenn man die Einheit nicht nur gut, sondern auch schnell vollziehe (c-083).
- [82] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Laut Peter Pragal (Das Parlament, 2019) lehnte Lothar de Maizière es 1990 ab, sich nach der alten DDR-Verfassung als Ministerpräsident vereidigen zu lassen, die Volkskammer nahm dafür eine Passage aus dem Entwurf der Arbeitsgruppe, und am 17. Juni 1990 verabschiedete sie das Verfassungsgrundsätze-Gesetz, das freiheitliche und demokratische Prinzipien vor den DDR-Verfassungstext stellte; Konrad Weiß kritisierte am selben Tag, damit werde der Entwurf des Runden Tisches durch Grundsätze ersetzt, die Rechte der Volkskammer auf Ministerpräsident und Regierung übertrügen. Grenze: Die Zusammenfassung des Gesetzes stammt von Pragal; der Gesetzestext liegt nicht als Snapshot vor.Gegenprobe: Laut Pragal sollte das Gesetz Klarheit schaffen und freiheitliche Grundsätze wie Privateigentum und unabhängige Rechtsprechung sichern.
- [83] ● Belegt (Primärquelle): Ministerpräsident Lothar de Maizière sagte am Vorabend der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion vom 1. Juli 1990, er verstehe, dass manchem das alles zu schnell gehe, der Prozess der Einheit gehe aber nicht zu schnell und lasse sich nicht in die Länge ziehen; man diene dem Land am besten, wenn man die Einheit nicht nur gut, sondern auch schnell vollziehe, und er dankte der Opposition, deren Argumente er nicht überhört habe. Grenze: Ansprache des Regierungschefs; Wertungen sind seine.Gegenprobe: Konrad Weiß (Bündnis 90/Grüne) sprach am 17. Juni 1990 in der Volkskammer von einer Hatz in die Einheit (c-080) und sagte im Juli 1990, man sei von einem viel langsameren Tempo ausgegangen (c-081).
- [84] ● Belegt (Primärquelle): In der Nacht zum 23. August 1990 erklärte die Volkskammer den Beitritt nach Artikel 23 mit Wirkung vom 3. Oktober 1990, in der Annahme, dass Einigungsvertrag, Zwei-plus-Vier-Verhandlungen und Länderbildung bis dahin weit genug seien; laut Archivseite lehnte sie zuvor einen Antrag der DSU auf sofortigen Beitritt mit 56 zu 183 Stimmen bei 125 Enthaltungen ab, der Beschluss erhielt nach Pragal 294 Ja- und 62 Nein-Stimmen bei sieben Enthaltungen, und Gregor Gysi bedauerte die Beschlussfassung im Hauruckverfahren. Grenze: Beschlusstext und Abstimmungsdaten nach der Archivseite und Pragal; zum Wortlaut des ersten Satzes siehe c-085.Gegenprobe: Laut Archivseite unterstützten CDU, DA, DSU, F.D.P. und SPD den Beschluss, und die stenografische Niederschrift der 30. Tagung verzeichnet ihn als gefasst „bei notwendiger Zwei-Drittel-Mehrheit“ (Quelle von c-085); Bernd Reichelt (Bündnis 90/Grüne) begründete sein Nein damit, die Fraktion habe den Beitritt nicht durch einen Termin festlegen, sondern beschließen wollen, sobald die Sachfragen geklärt seien (c-086).
- [85] ● Belegt (Primärquelle): Am 18. März 2015 schilderte Dr. Gregor Gysi, nach dem Wort Beitritt sei handschriftlich der Deutschen Demokratischen Republik eingefügt worden, sodass die Volkskammerpräsidentin einen Text als beschlossen verlas, der so nicht beschlossen war. Grenze: Gysis Schilderung von 2015, in indirekter Rede und mit Auslassung im Zitat. Seine Wertungen übernimmt das Dossier nicht.Gegenprobe: Höppner sagte 2010, die erste Fassung sei ohne die DDR beschlossen worden (c-122); die Niederschrift gibt den Antrag vor der namentlichen Abstimmung mit der DDR wieder (c-123); der veröffentlichte Wortlaut nennt die Deutsche Demokratische Republik (c-124).
- [122] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Höppner sagte 2010, die erste Fassung sei so beschlossen worden, und Frau Bergmann-Pohl habe nach der Abstimmung den Beschluss nochmal vorgelesen, mit dem Begriff DDR. Grenze: Höppners eigene Darstellung im Webarchiv-Text 2010.Gegenprobe: Gysi schilderte 2015 eine handschriftliche Einfügung (c-085).
- [123] ● Belegt (Primärquelle): Die Niederschrift vom 22. August 1990 gibt den Antrag wieder, die Volkskammer erkläre den Beitritt der DDR mit Wirkung vom 3. Oktober 1990, und es wurde gebeten, das Protokoll der Abstimmung zu ändern. Grenze: Niederschrift. Welche Fassung rechtlich maßgeblich war, entscheidet das Dossier nicht.Gegenprobe: Höppner sagte 2010, die erste Fassung sei ohne die DDR beschlossen worden (c-122).
- [124] ● Belegt (Primärquelle): Nach dem im Gesetzblatt der DDR 1990 I S. 1324 veröffentlichten Wortlaut erklärte die Volkskammer den Beitritt der Deutschen Demokratischen Republik mit Wirkung vom 3. Oktober 1990, und Artikel 1 des Einigungsvertrags knüpft an das Wirksamwerden dieses Beitritts an. Grenze: verfassungen.de mit Quellenangabe GBl. DDR 1990 I S. 1324, dazu der Vertragstext.Gegenprobe: Das Abstimmungsergebnis 294 zu 62 bleibt davon unberührt (c-084).
- [86] ● Belegt (Primärquelle): Bernd Reichelt (Bündnis 90/Grüne) begründete in der Jungen Welt vom 28. August 1990 sein Nein zum Beitrittsbeschluss: Die Fraktion Bündnis 90/Grüne habe den Beitritt nicht durch einen Termin festlegen, sondern beschließen wollen, sobald Zwei-plus-Vier-Verhandlungen, Länderbildung und ein Einheitsvertrag geklärt seien, was am 3. Oktober hätte sein können; den Beitritt zum 3. Oktober nannte er einen Blanko-Scheck und den Drang der Bevölkerung eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Grenze: Persönliche Begründung eines Abgeordneten nach der Abstimmung.Gegenprobe: Die Volkskammer beschloss den Beitritt zum 3. Oktober mit 294 Ja- gegen 62 Nein-Stimmen (c-084); de Maizière nannte den Einigungsvertrag drei Tage nach Reichelts Beitrag ein gründlich ausgehandeltes Werk, das den Beitritt und die damit zusammenhängenden Fragen in ausgewogener Balance halte (c-087).
- [87] ● Belegt (Primärquelle): Lothar de Maizière nannte den Einigungsvertrag bei dessen Unterzeichnung am 31. August 1990 ein gründlich ausgehandeltes Werk, das den Beitritt und die damit zusammenhängenden Fragen in ausgewogener Balance halte; nur ein Einigungsvertrag habe sicherstellen können, dass die festgelegten Rechte der fünf Länder auch nach dem Ende der DDR geltend gemacht werden könnten, und die wirtschaftlichen Probleme seien ein Relikt der Planwirtschaft. Grenze: Rede des Regierungschefs bei der Unterzeichnung.Gegenprobe: Bernd Reichelt (Bündnis 90/Grüne) hatte den Beitritt zum 3. Oktober drei Tage zuvor in der Jungen Welt einen Blanko-Scheck genannt (c-086).
- [88] ● Belegt (Primärquelle): Der Einigungsvertrag vom 31. August 1990 gab in Artikel 4 der Präambel des Grundgesetzes eine neue Fassung, nach der sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben habe, hob Artikel 23 auf und fasste Artikel 146 neu: Das Grundgesetz gelte nach Vollendung der Einheit und Freiheit Deutschlands für das gesamte deutsche Volk und verliere seine Gültigkeit an dem Tag, an dem eine vom deutschen Volk in freier Entscheidung beschlossene Verfassung in Kraft trete. Grenze: Vertragstext nach gesetze-im-internet.de; die Auslegung des neuen Artikels 146 war und ist umstritten und wird hier nicht entschieden.Gegenprobe: Die Gemeinsame Verfassungskommission diskutierte Artikel 146 am 22. April 1993, ohne dass Anträge gestellt oder Empfehlungen ausgesprochen wurden; ein Mitglied sah den Auftrag zu einer neuen Verfassung als fortbestehend an (c-092).
- [89] ● Belegt (Primärquelle): Am 16. Juni 1990 gründete sich im Reichstag in Berlin das Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder, dem laut Mitgliederliste unter anderem Bärbel Bohley, Marianne Birthler sowie Gerd und Ulrike Poppe angehörten; es forderte eine breite öffentliche Verfassungsdiskussion, eine verfassunggebende Versammlung und eine gesamtdeutsche Verfassung mit Volksentscheid, wobei der Verfassungsentwurf des Runden Tisches mit berücksichtigt werden solle, denn die wichtigsten Weichenstellungen dürften nicht über die Köpfe der Menschen hinweg getroffen werden. Grenze: Gründungsaufruf und Unterschriftentext des Kuratoriums, abgedruckt als Anzeige; die Mitgliederliste nennt nur einen Teil der Unterzeichner. Hier sind die Bürgerbewegten nicht unter sich: das Kuratorium bestand laut Pragal aus Bürgerrechtlern, Politikern, Künstlern und Intellektuellen aus Ost und West.Gegenprobe: Der Aufruf verlangt selbst, die neue Verfassung dürfe nicht hinter das Grundgesetz zurückfallen; die Volkskammer beschloss am 23. August 1990 den Beitritt nach Artikel 23 (c-084).
- [90] ● Belegt (Primärquelle): Wolfgang Ullmann (Demokratie Jetzt) forderte im September 1990 auf dem Kongress „Verfassung mit Volksentscheid“ in Weimar eine neue Verfassung und einen Bund deutscher Länder; er kritisierte, die im Einigungsvertrag vorgesehene neue Präambel spreche vom Selbstbestimmungsrecht in Ländern, die noch nicht existierten und in denen nie über eine Verfassung abgestimmt worden sei, und nannte die Stasi-Akten ein Verfassungsproblem. Grenze: Auszug aus einer Rede, dokumentiert in der taz vom 25.09.1990; Ullmann sprach für die Kuratoriumsbewegung, nicht für eine Mehrheit.Gegenprobe: Lothar de Maizière hatte am 31. August 1990 erklärt, nur ein Einigungsvertrag habe sicherstellen können, dass die festgelegten Rechte der fünf Länder auch nach dem Ende der DDR geltend gemacht werden könnten (c-087).
- [91] ● Belegt (Primärquelle): Artikel 5 des Einigungsvertrags empfahl den gesetzgebenden Körperschaften des vereinten Deutschlands, sich innerhalb von zwei Jahren mit Fragen der Änderung oder Ergänzung des Grundgesetzes zu befassen, darunter mit der Anwendung des Artikels 146 und einer Volksabstimmung; Bundestag und Bundesrat setzten dafür im November 1991 die Gemeinsame Verfassungskommission ein, in die beide je 32 Mitglieder entsandten. Grenze: Artikel 5 ist eine Empfehlung, keine Verpflichtung zu einer Volksabstimmung.Gegenprobe: Die Kommission sprach zu Artikel 146 am Ende keine Empfehlung aus (c-092).
- [92] ● Belegt (Primärquelle): Laut ihrem Bericht vom November 1993 diskutierte die Gemeinsame Verfassungskommission Artikel 146 am 22. April 1993, ohne dass Anträge gestellt oder Empfehlungen ausgesprochen wurden; vorgetragen wurde, das Grundgesetz sei durch die mit verfassungsändernder Mehrheit gefassten Beschlüsse von Volkskammer, Bundestag und Bundesrat bereits als gesamtdeutsche Verfassung legitimiert und eine Volksabstimmung könne nichts Wesentliches hinzufügen, zugleich wurde auf die integrierende Wirkung eines Volksentscheides hingewiesen, und ein Mitglied sah den Auftrag zu einer neuen Verfassung als fortbestehend an. Grenze: Der Bericht gibt die vorgetragenen Positionen ohne Namen wieder; das Dossier entscheidet die Rechtsfrage nicht.Gegenprobe: Das Kuratorium für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder hatte 1990 eine gesamtdeutsche Verfassung mit Volksentscheid gefordert (c-089), und Wolfgang Ullmann forderte im September 1990 auf dem Kongress „Verfassung mit Volksentscheid“ eine neue Verfassung (c-090).
- [93] ● Belegt (Primärquelle): Zu Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid stieß das Thema laut Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission von 1993 auf außerordentliches öffentliches Interesse, mehr als 266 000 Eingaben gingen ein; keiner der Anträge erreichte die erforderliche Zweidrittelmehrheit: Am 11. Februar 1993 scheiterte der Antrag der Gruppe Bündnis 90/Die Grünen mit 4 Ja-Stimmen, beim Antrag der SPD stimmten 29 zu 27 Mitglieder für die Volksinitiative und 28 zu 27 für Volksbegehren und Volksentscheid. Grenze: Abstimmungsdaten nach dem Kommissionsbericht.Gegenprobe: Laut Bericht bestand Einigkeit, dass die Grundentscheidung des Grundgesetzes für die parlamentarisch-repräsentative Demokratie nicht in Frage gestellt werden sollte; Meinungsunterschiede bestanden nur darüber, ob dieses System um Elemente unmittelbarer Demokratie ergänzt werden könne und solle.
- [94] ● Belegt (Primärquelle): Der Abgeordnete Ullmann (Bündnis 90/Die Grünen) stellte am 6. Mai 1993 seine Arbeit in der Gemeinsamen Verfassungskommission ein, weil er seine verfassungspolitischen Vorstellungen nicht verwirklicht sah; laut Peter Pragal (Das Parlament) scheiterte der vom Kuratorium vorgestellte Verfassungsentwurf, der viele Artikel aus dem Entwurf der Arbeitsgruppe übernahm, im gesamtdeutschen Bundestag, während der Bericht der Kommission etwa einen Entwurf zu einem Ökologischen Rat als identisch mit dem Verfassungsentwurf des Kuratoriums verzeichnet. Grenze: Zitat zeigt die Silbentrennung des PDF (Abstimmun- gen); check.py löst sie beim Vergleich auf. Pragal fasst das Schicksal des Kuratoriumsentwurfs in einem Satz zusammen; der Entwurf selbst liegt nicht als Snapshot vor.Gegenprobe: Nach dem Bericht war für eine verfassungsändernde Kommissionsempfehlung eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, die mit 43 Stimmen erreicht war und sich nur mit Stimmen aus beiden Bänken verwirklichen ließ; Heitmann (CDU), Mitglied der Kommission, sah es 1994 als ihren größten Erfolg an, den Schreibtisch fest stehen zu lassen (c-109).
- [107] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Wolfgang Ullmann sagte laut dem redaktionellen Begleittext zum Verfassungsentwurf auf der Website „DDR 1989/90“ in einem Interview nach seinem Ausscheiden aus der Gemeinsamen Verfassungskommission im Oktober 1993, ihr Bericht rechtfertige inhaltlich seinen Entschluss, selbst in dem engen Rahmen des Einigungsvertrags habe die Kommission ihre Aufgabe nicht erfüllt, und von der Idee, das Grundgesetz durch eine Volksabstimmung zur gesamtdeutschen Verfassung zu machen, sei nichts geblieben; die Gegner einer Volksabstimmung hielten nach seiner Wiedergabe dagegen, mit ihr hätte sich an der Verfassungssituation nichts geändert. Grenze: Interviewzitat aus zweiter Hand im redaktionellen Begleittext von ddr89.de, ohne Angabe des Mediums; Ullmanns Ausscheiden selbst ist im Kommissionsbericht belegt (c-094).Gegenprobe: Im Kommissionsbericht wurde vorgetragen, durch die mit verfassungsändernder Mehrheit gefassten Beschlüsse von Volkskammer, Bundestag und Bundesrat sei das Grundgesetz als gesamtdeutsche Verfassung legitimiert (c-092); Heitmann (CDU), Mitglied der Kommission, hielt das Grundgesetz 1994 im Bundestag für demokratisch legitimiert (c-109).
- [109] ● Belegt (Primärquelle): Steffen Heitmann, sächsischer Staatsminister, der der Gemeinsamen Verfassungskommission angehörte, hielt in der Bundestagsdebatte vom 4. Februar 1994 dem Abgeordneten Ullmann entgegen, die deutsche Einigung sei durch den freiwilligen Beitritt der DDR zum Grundgesetz nach Artikel 23 vollzogen worden; das sei umstritten gewesen, der Verlauf des Einigungsprozesses beweise aber, dass die überwiegende Mehrheit der Ostbürger diesen Beitritt gewollt habe, und damit sei das Grundgesetz demokratisch legitimiert; als größten Erfolg der Kommission sah er, dass sie den Schreibtisch habe fest stehen lassen. Grenze: Rede eines Kommissionsmitglieds in der Debatte über den Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission (BT-Drs. 12/6000), ihm zugeschrieben; Heitmann gehörte der Kommission laut deren Mitgliederliste im Bericht (Quelle von c-094) als ordentliches Mitglied für Sachsen an („Staatsminister Heitmann (CDU)“); die Einschätzung des Mehrheitswillens ist seine Deutung.Gegenprobe: Ullmann hielt in derselben Debatte dem Kommissionsbericht entgegen, wenn dort stehe, eine Volksabstimmung könne der Legitimation des Grundgesetzes nichts Wesentliches mehr hinzufügen, gelte die Stimme des Volkes als etwas Unwesentliches; zu seinem Ausscheiden aus der Kommission siehe c-094 und c-107.
- [95] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Ekkehard Maaß erinnerte sich 2026 gegenüber Ralf Krämer, Bärbel Bohley sei am Wahlabend des 18. März 1990 im Haus der Demokratie über das Ergebnis verzweifelt gewesen, während er selbst es damals so deutete, dass niemand mehr etwas von der linken Utopie einer sozialistischen, demokratischen DDR wissen wolle und die Leute die Demokratie gewollt und Kohl gewählt hätten; Bohley habe später auf Klagen über die Rechtsprechung erwidert, man habe Gerechtigkeit erhofft und einen Rechtsstaat bekommen. Grenze: Erinnerung eines Weggefährten, aufgezeichnet mehr als drei Jahrzehnte nach dem Geschehen; Bohleys Satz ist hier über Maaß überliefert.Gegenprobe: Pötzl nannte die Wahl 2020 ein Bekenntnis der DDR-Bürger zur Demokratie (c-067); Gerd Poppe führte das Ergebnis am Tag danach auf das Versprechen der D-Mark und die massive Einmischung von Westen zurück (c-066).
- [96] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Im Spiegel-Gespräch von 1994 warf Bärbel Bohley der Opposition von 1989 vor, sie sei abgedriftet, habe nicht erkannt, wie dicht die Wiedervereinigung vor der Tür stand, und habe der CDU das Feld überlassen, statt die Bürgerbewegungen selbst verhandeln zu lassen; Jens Reich hielt dagegen, das Volk sei nur eine historische Sekunde lang zu den Bürgerbewegungen gegangen, ihre Fehler seien zugleich ihre Stärken gewesen, und er glaube nicht, dass sie dem Unmut nach 1990 hätten Gestalt verleihen können, wobei er hinzufügte, Bohley freue sich über die Wiedervereinigung. Grenze: Rückblick in einem Gespräch des Spiegel mit Beteiligten des 4. November 1989; Bohleys Kritik zielt auf die Strategie der Opposition, nicht auf die Einheit selbst.Gegenprobe: Ehrhart und Hildigund Neubert hielten eine andere Einheit rückblickend für unrealistisch, weil die Leute die schnelle Einheit gewollt hätten (c-098); de Maizière sagte am 30. Juni 1990, man diene dem Land am besten, wenn man die Einheit nicht nur gut, sondern auch schnell vollziehe (c-083).
- [97] ● Belegt (Primärquelle): Gerd Poppe sagte im März 1991 in einem Gespräch für die Zeitschrift Gewerkschaftliche Monatshefte, die ganze Art der Vereinigung habe dazu geführt, dass nahezu alle Strukturen der alten Bundesrepublik im Osten übernommen wurden, was von östlicher Seite nicht immer freiwillig, sondern unter wirtschaftlicher Stärke und Dominanz geschehen sei, und der Beitritt nach Artikel 23 habe die Bürgerbewegung gezwungen, sich auf die hiesigen politischen Bedingungen einzustellen; zugleich erklärte er, man werde eine Minderheit bleiben. Grenze: Interview eines Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Grüne ein halbes Jahr nach dem Beitritt; Poppe beschreibt die Folgen aus Sicht der Bürgerbewegung.Gegenprobe: Der Beitritt beruhte auf dem Beschluss der Volkskammer vom 23. August 1990 mit 294 Ja-Stimmen (c-084); de Maizière erklärte, nur ein Einigungsvertrag habe die festgelegten Rechte der fünf Länder über das Ende der DDR hinaus sichern können (c-087).
- [98] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Constantin Hühn stellte 2020 im Deutschlandfunk Kultur dem von Ehrhart Neubert 1990 zitierten Satz von Konrad Weiß, nun stürme ein raues, grelles, hemdsärmeliges Vaterland auf uns ein, die heutige Sicht von Ehrhart und Hildigund Neubert gegenüber, die 1989 den Demokratischen Aufbruch mitbegründet hatten: Sie hielten Kohls Politik schon damals für grundsätzlich richtig und eine andere Einheit rückblickend für unrealistisch, weil die Leute die schnelle Einheit gewollt hätten und sonst massenhaft abgehauen wären, und Hildigund Neubert sagte, Kohl habe mit der Währungsunion und dem Umtausch eins zu eins gegen den Rat vieler Wirtschaftsleute den Leuten Hoffnung gegeben, räumte aber auch falsche Entscheidungen ein. Grenze: Feature mit Familiengesprächen; die Neuberts sprechen 2020 rückblickend, der Weiß-Text ist über Ehrhart Neuberts Buch von 1990 zitiert.Gegenprobe: Hühns Eltern meinen im selben Beitrag, es wäre vielleicht anders gegangen, wenn die Kohl-Regierung die schnelle Einheit nicht forciert hätte; Konrad Weiß' eigene Begründungen für Artikel 146 stehen in c-080 und c-081.
- [99] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Die Begleitseite des MDR zur Dokumentation „Aufbruch zur Demokratie“ von 2019 urteilt, die Runden Tische hätten den friedlichen Übergang von einer Diktatur in eine Demokratie gesichert und mit den ersten freien Wahlen eine ihrer größten Leistungen erbracht, wegen fehlender demokratischer Legitimation aber keinen dauerhaften institutionellen Rahmen im wiedervereinten Deutschland erlangt; sie zitiert Lothar de Maizière, die Runden Tische seien ein Glücksfall gewesen, und Ulrike Poppe (Demokratie Jetzt) zu deren Demokratieverständnis. Grenze: Redaktionelle Begleitseite eines Senders, als Einzel-URL zugelassen; die Wertungen sind die der Redaktion, nicht Befund des Dossiers.Gegenprobe: Martin Gutzeit (SDP) sagte über den Runden Tisch: „Uns hatte ja keiner gewählt“; die Robert-Havemann-Gesellschaft würdigt ihn als Ort des Dialoges zwischen neuen und alten politischen Kräften (c-038).
- [100] ◆ Umstritten: Der Programmtext von ZDFinfo zur Dokumentation „DDR – die entsorgte Republik“ von 2020 vertritt die These, die Anwendung von Artikel 146 hätte eine neue Verfassung zur Folge gehabt und das habe Helmut Kohl verhindern wollen; laut demselben Text erklären Lothar de Maizière, Gregor Gysi, Rudolf Seiters und Horst Teltschik die Hintergründe, Oskar Lafontaine sieht wahltaktische Gründe, während Hans Modrow von Betrug spricht. Grenze: Nur der Programmtext liegt als Snapshot vor, nicht der Film; die Kohl-These ist die der Redaktion, die Deutungen von Lafontaine und Modrow sind ihnen nach dem Programmtext zugeschrieben.Gegenprobe: Gegenposition: Die Volkskammer beschloss den Beitritt nach Artikel 23 mit 294 Ja- gegen 62 Nein-Stimmen (c-084); de Maizière sagte, man diene dem Land am besten, wenn man die Einheit nicht nur gut, sondern auch schnell vollziehe (c-083), und nannte den Einigungsvertrag ein Werk in ausgewogener Balance (c-087); im Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission wurde vorgetragen, das Grundgesetz sei durch die Beschlüsse von Volkskammer, Bundestag und Bundesrat legitimiert (c-092); Heitmann (CDU), Mitglied der Kommission, hielt es 1994 für demokratisch legitimiert (c-109); Pötzl nannte die Wahl vom 18. März ein Bekenntnis zur Demokratie (c-067).
- [101] ● Belegt (Primärquelle): Wolfgang Templin (Initiative Frieden und Menschenrechte) schrieb im September 1990 in der Wochenzeitung Sonntag, der Kampf der Bürgerbewegungen um eine demokratische Gestaltung des Vereinigungsprozesses und die nötige Zeit sei kein taktisches Manöver gewesen, um an der Zweistaatlichkeit festzuhalten, diese Haltung sei schon im Winter überwunden gewesen; mit der Wahl vom 18. März sah er weniger eine politische Richtungsentscheidung als die Hoffnung auf die Kraft des Stärkeren verbunden. Grenze: Meinungsbeitrag eines Kandidaten der Grünen vor der Bundestagswahl im Dezember 1990.Gegenprobe: Pötzl nannte die Wahl ein Bekenntnis der DDR-Bürger zur Demokratie, die Bundesstiftung Aufarbeitung ein Votum der eindeutigen Mehrheit für eine möglichst rasche Vereinigung (c-067); Maaß deutete sie damals so, dass die Leute die Demokratie gewollt und Kohl gewählt hätten (c-095).
- [102] ◐ Belegt (Sekundärquelle): Hubertus Knabe kritisierte 2019, viele Schulbücher präsentierten Michail Gorbatschow als Helden, der riskante Freiheitskampf der Ostdeutschen schrumpfe dort zu einer Folge außenpolitischer Veränderungen, und in den Quellenteilen kämen häufig Schriftsteller wie Christa Wolf oder Stefan Heym zu Wort, die die DDR retten wollten; die Wiedervereinigung sei ohne den Freiheitskampf der DDR-Bürger nie möglich gewesen und ein enormes historisches Glück, und dass es am 9. Oktober in Leipzig kein Blutvergießen gab, führte er darauf zurück, dass sich im Herrschaftssystem der SED niemand traute, eigenverantwortlich zu entscheiden, und nicht auf eine Entscheidung von Egon Krenz. Grenze: Meinungsbeitrag eines Historikers zur Darstellung der Friedlichen Revolution in Schulbüchern; die Schulbuchbefunde sind Knabes Lesart.Gegenprobe: Krenz nahm in seiner Rücktrittserklärung vom Dezember 1989 für die Wende in der SED-Führung in Anspruch, ihr erstes Ziel sei gewesen, politische Konflikte mit politischen Mitteln zu lösen (c-026); die von Knabe ausgewerteten Schulbücher liegen nicht als Snapshot vor.
- [130] ● Belegt (Primärquelle): Der Ausschuß für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung stellte in der Drucksache 13/10893 in seiner 87. Sitzung am 8. Mai 1998 eine inoffizielle Tätigkeit des Abg. Dr. Gregor Gysi für das Ministerium für Staatssicherheit als erwiesen fest. Der Berichterstatter Jörg van Essen war zu dem Ergebnis gelangt, eine inoffizielle Tätigkeit oder politische Verantwortung Dr. Gysis für das MfS sei nicht erwiesen; der 1. Ausschuß lehnte diesen Vorschlag ab. In seiner Stellungnahme vom 29. Mai 1998 erklärte Abg. Dr. Gysi, das gegen ihn durchgeführte Überprüfungsverfahren sei von Beginn bis zum Ende ein politisches Verfahren gewesen. Die vom Abg. Dr. Gysi vorgetragene Erklärung, wonach er ausschließlich mit dem ZK der SED Kontakt gehabt habe, ist im Bericht als nicht stichhaltige Schutzbehauptung wiedergegeben. Abg. Dr. Gysi bestreitet, sich jemals mit Offizieren der Staatssicherheit in einer konspirativen Wohnung getroffen zu haben. Grenze: Befund des Ausschusses in der Drucksache 13/10893, später als die Entlastungsmeldung der Neuen Zeit vom 2. April 1990 (c-118). Das Dossier übernimmt die Feststellung nicht als eigene Wertung.Gegenprobe: Gysi erklärte in seiner Stellungnahme vom 29. Mai 1998, das Verfahren sei von Beginn bis zum Ende ein politisches Verfahren gewesen. Der Bericht gibt seine Erklärung wieder, er habe ausschließlich mit dem ZK der SED Kontakt gehabt, und nennt sie eine Schutzbehauptung. Jörg van Essen hielt eine inoffizielle Tätigkeit für nicht erwiesen. Die Neue Zeit hatte am 2. April 1990 eine Entlastung gemeldet (c-118).
- [131] ● Belegt (Primärquelle): Am 21. Mai 1996 entschied der Zweite Senat im Verfahren 2 BvE 1/95, das in § 44 b Abs. 2 AbgG geregelte Verfahren sei mit Artikel 38 Abs. 1 Satz 2 GG vereinbar und dürfe gegen den Abg. Dr. Gysi durchgeführt werden. Das Bundesverfassungsgericht verwarf mit Beschluß vom 1. April 1998 die Organklage des Abgeordneten Dr. Gysi gegen die vorläufige Feststellung des 1. Ausschusses vom 24. März 1998 einstimmig in der Hauptsache als teilweise unzulässig und im übrigen als unbegründet. Grenze: Die Entscheidung vom 1. April 1998 betraf die Organklage gegen die vorläufige Feststellung vom 24. März 1998, nicht den Befund vom 8. Mai 1998 (c-130). Beide Beschlüsse stehen nur in der Wiedergabe der Drucksache 13/10893. Das Dossier bewertet sie nicht.Gegenprobe: Der Ausschuss stellte am 8. Mai 1998 eine inoffizielle Tätigkeit als erwiesen fest (c-130). Das ist ein späterer Befund und nicht der Gegenstand der Organklage vom 25. März 1998. Die Neue Zeit hatte am 2. April 1990 eine Entlastung gemeldet (c-118).
Zeitleiste
| Datum | Ereignis | Belege |
|---|---|---|
| 1989-11-09 | Pressekonferenz Schabowskis, Öffnung der Grenze Pressekonferenz Schabowskis, Öffnung der Grenze | [5][6] |
| 1989-12-01 | Volkskammer streicht den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung Volkskammer streicht den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung | [23] |
| 1989-12-07 | Erste Sitzung des Zentralen Runden Tisches Erste Sitzung des Zentralen Runden Tisches | [30][31][32][49] |
| 1989-12-18 | Zweite Sitzung des Zentralen Runden Tisches: Streit um ein Vetorecht gegenüber der Regierung Zweite Sitzung des Zentralen Runden Tisches: Streit um ein Vetorecht gegenüber der Regierung | [34][105] |
| 1990-01-08 | Runder Tisch bricht die 6. Sitzung wegen des Berichts zur Auflösung des AfNS ab Runder Tisch bricht die 6. Sitzung wegen des Berichts zur Auflösung des AfNS ab | [44] |
| 1990-01-15 | Zwischenbericht zur Auflösung des AfNS, Demonstrationen auf Aufruf des Neuen Forums Zwischenbericht zur Auflösung des AfNS, Demonstrationen auf Aufruf des Neuen Forums | [28][29] |
| 1990-02-05 | Runder Tisch: Wahltermin 18. März, Verzicht auf Gastredner aus dem Westen Runder Tisch: Wahltermin 18. März, Verzicht auf Gastredner aus dem Westen | [33][59] |
| 1990-02-19 | 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches: Vernichtung der elektronischen Stasi-Datenträger, Antrag zum Modrow-Besuch in Bonn 13. Sitzung des Zentralen Runden Tisches: Vernichtung der elektronischen Stasi-Datenträger, Antrag zum Modrow-Besuch in Bonn | [43][78][104] |
| 1990-03-12 | Letzte Sitzung des Zentralen Runden Tisches Letzte Sitzung des Zentralen Runden Tisches | [37][40][51][73] |
| 1990-03-18 | Volkskammerwahl Volkskammerwahl | [65][66][67][95] |
| 1990-04-04 | Verfassungsentwurf der Arbeitsgruppe geht an die Volkskammer Verfassungsentwurf der Arbeitsgruppe geht an die Volkskammer | [54][57] |
| 1990-04-26 | Volkskammer lehnt die Behandlung des Verfassungsentwurfs im Plenum ab Volkskammer lehnt die Behandlung des Verfassungsentwurfs im Plenum ab | [57][58][103] |
| 1990-06-16 | Gründung des Kuratoriums für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder Gründung des Kuratoriums für einen demokratisch verfassten Bund deutscher Länder | [89] |
| 1990-06-17 | Volkskammer: DSU-Antrag auf sofortigen Beitritt, Verfassungsgrundsätze-Gesetz Volkskammer: DSU-Antrag auf sofortigen Beitritt, Verfassungsgrundsätze-Gesetz | [80][82] |
| 1990-07-01 | Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion tritt in Kraft | [83] |
| 1990-08-23 | Beitrittsbeschluss der Volkskammer Beitrittsbeschluss der Volkskammer | [84][85][86] |
| 1990-08-31 | Unterzeichnung des Einigungsvertrags Unterzeichnung des Einigungsvertrags | [87][88] |
| 1990-09-04 | Zweite Besetzung der ehemaligen Stasi-Zentrale Zweite Besetzung der ehemaligen Stasi-Zentrale | [77] |
| 1990-10-03 | Beitritt der DDR wird wirksam Beitritt der DDR wird wirksam | [84][88] |
| 1991-11-28 | Einsetzung der Gemeinsamen Verfassungskommission Einsetzung der Gemeinsamen Verfassungskommission | [91] |
| 1993-11-05 | Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission Bericht der Gemeinsamen Verfassungskommission | [92][93][94] |
Personen
- Bärbel Bohley: Mitgründerin des Neuen Forums. Im November 1989 formulierte sie, man wolle über sich selbst bestimmen; 1994 sagte sie, die Opposition habe der CDU das Feld überlassen.
- Gerd Poppe: Einberufer der Arbeitsgruppe Verfassung. Die Wiedergaben von 1990 und 1991 sind als seine Deutung markiert.
- Wolfgang Ullmann: Er nannte 1990 das Volkseigentum die Grundfrage und verließ die Gemeinsame Verfassungskommission 1993.
- Konrad Weiß: Er lehnte den Antrag vom 19. Februar 1990 ab und hielt Artikel 146 weiterhin für den besseren Weg.
- Lothar de Maizière: Er begründete das Tempo der Einheit mit dem Dienst am Land und nannte den Einigungsvertrag ausgewogen. Den Rücktritt meldete der Spiegel im Dezember 1990.
- Hans-Wilhelm Ebeling: Er begrüßte westliche Gastredner und begründete die schnelle Einheit wirtschaftlich.
- Martin Gutzeit: Er hält im Rückblick fest, die Legitimierung des Runden Tisches habe auf wackeligen Füßen gestanden.
- Hubertus Knabe: Er gibt ein Stasi-Protokoll von 1988 wieder und widerspricht 2019 der Lesart, der Freiheitskampf sei nur eine Folge der Außenpolitik gewesen.
- Steffen Heitmann: Er sagte 1994 im Bundestag, die Einigung sei durch den Beitritt nach Artikel 23 vollzogen worden.
- Gregor Gysi: Er befürchtete 1990 einen Ausverkauf und widersprach den Vorwürfen gegen de Maizière. Das Bundesverfassungsgericht verwarf am 1. April 1998 seine Organklage gegen die vorläufige Feststellung vom 24. März 1998 und hatte 1996 das Verfahren für zulässig erklärt. Der Ausschuss stellte am 8. Mai 1998 in der Drucksache 13/10893 eine inoffizielle Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit als erwiesen fest. Gysi erklärte in seiner Stellungnahme vom 29. Mai 1998, das Verfahren sei von Beginn bis zum Ende ein politisches Verfahren gewesen. Der Ausschuss gibt seine Erklärung wieder, er habe ausschließlich mit dem ZK der SED Kontakt gehabt. 2015 schilderte er den Beitrittswortlaut.
- Joachim Gauck: Im Juli 1990 sprach er sich als Vorsitzender des Sonderausschusses gegen die Vernichtung der Stasi-Akten aus.
- Peter-Michael Diestel: Er schrieb im August 1990, die Vernichtung personenbezogener Akten wäre die sauberste Lösung und verbiete sich gegenwärtig wegen der Rehabilitierungen.
- Ina Merkel: Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbandes. Am 21. März 1990 schrieb sie über den sozialen Druck des Wahlkampfs.
Glossar
- Zentraler Runder Tisch
- Gespräch der Parteien und Bewegungen vom 7. Dezember 1989 bis 12. März 1990. Er selbst bestritt, Parlament oder Regierung zu sein.
- Artikel 23
- Der Weg, den die Allianz für Deutschland im Wahlkampf vertrat und den die Volkskammer am 23. August 1990 beschloss. Der Einigungsvertrag hob den Artikel auf.
- Artikel 146
- Der Weg über eine neue Verfassung, den Bündnis 90 dem Beitritt entgegenhielt. Die Verfassungskommission sprach dazu keine Empfehlung aus.
- Allianz für Deutschland
- Wahlbündnis aus Ost-CDU, DSU und Demokratischem Aufbruch. Pötzl nennt für 1990 zusammen 48 Prozent; die Bundesstiftung Aufarbeitung nennt 56,1 Prozent.
- Gemeinsame Verfassungskommission
- 1991 von Bundestag und Bundesrat eingesetzt, je 32 Mitglieder. Für eine verfassungsändernde Kommissionsempfehlung brauchte sie eine Zweidrittelmehrheit.
- Amt für Nationale Sicherheit
- Nachfolger des MfS. Der Runde Tisch brach am 8. Januar 1990 die Sitzung über den Auflösungsbericht ab.
Quellen
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- Verfassung – Zentraler Runder Tisch 1989–1990 (Erinnerungsdebatten, Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur). Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Archiv.
https://erinnerungsdebatten.de/debatten/verfassung-zentraler-runder-tisch-1989-1990/
- Volkskammerwahl 1990 – „Knallende Niederlage“ für Bürgerrechtler (Deutschlandfunk Kultur, 2015). Deutschlandfunk Kultur, 2015. Presse.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/volkskammerwahl-1990-knallende-niederlage-fuer-100.html
- Zentraler Runder Tisch (Robert-Havemann-Gesellschaft, Archiv der DDR-Opposition). Robert-Havemann-Gesellschaft. Archiv.
https://www.havemann-gesellschaft.de/archiv-der-ddr-opposition/buergerbewegung-ab-1989/runde-tische/zentraler-runder-tisch/
- Runde Tische (Robert-Havemann-Gesellschaft, Archiv der DDR-Opposition, Bestandsübersicht). Robert-Havemann-Gesellschaft. Archiv.
https://www.havemann-gesellschaft.de/archiv-der-ddr-opposition/buergerbewegung-ab-1989/runde-tische/
- Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 18/93 vom 18.03.2015 (XML-Fassung), Rede Dr. Gregor Gysi. Deutscher Bundestag, 2015-03-18. Primärtext.
https://dserver.bundestag.de/btp/18/18093.xml
- Volkskammer der DDR, 10. Wahlperiode, 30. Tagung (Sondertagung) am 22./23. August 1990, Stenografische Niederschrift. Deutscher Bundestag (Volkskammer der DDR), 1990-08-22. Primärtext.
https://www.bundestag.de/resource/blob/1190892/Protokoll.pdf
- „Plebiszit für die deutsche Einheit“ – Streitgespräch Lothar de Maizière und Reinhard Höppner (Das Parlament / Deutscher Bundestag, Textarchiv 2010). Deutscher Bundestag, 2010-03. Presse.
https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2010/28999101_kw11_demaiziere_interview-201304
- Wolfgang Templin: Wolfgang Templin (IFM): Der Verfassungsentwurf des Runden Tisches (Gewerkschaftliche Monatshefte 5–6/1990). ddr89.de, 1990-05. Primärtext.
https://www.ddr89.de/zrt/Der_Verfassungsentwurf_des_Runden_Tisches_Wolfgang_Templin.html
- Antrag von Grüner Partei, UFV, IFM und VL an den Zentralen Runden Tisch zum Ergebnis des Modrow-Besuches in Bonn (Vorlage Nr. 13/23, 19.02.1990). ddr89.de, 1990-02-19. Primärtext.
https://www.ddr89.de/zrt/ZRT3.html
- Verfassungsentwurf für die DDR (AG Neue Verfassung, 04.04.1990) mit Mitgliederliste und redaktionellem Anhang (ddr89.de). ddr89.de, 1990-04-04. Archiv.
https://www.ddr89.de/zrt/verfassung.html
- Peter Pragal: Peter Pragal: Es blieb ein Entwurf (Das Parlament, Nr. 29–30/2019, 15.07.2019). Das Parlament, 2019-07-15. Presse.
https://www.das-parlament.de/2019/29-30/themenausgaben/es-blieb-ein-entwurf
Archiv: http://web.archive.org/web/20201029134139id_/https://www.das-parlament.de/2019/29_30/themenausgaben/651212-651212
- Beschluß der Volkskammer der DDR über den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes vom 23. August 1990 (Wortlaut nach GBl. DDR 1990 I S. 1324, verfassungen.de). verfassungen.de, 1990-08-23. Primärtext.
https://www.verfassungen.de/ddr/beitrittsbeschluss90.htm
- Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 12/209 vom 04.02.1994 (Beratung des Berichts der Gemeinsamen Verfassungskommission). Deutscher Bundestag, 1994-02-04. Primärtext.
https://dserver.bundestag.de/btp/12/12209.pdf
- Bericht des Ausschusses für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung zum Überprüfungsverfahren gegen Dr. Gregor Gysi (BT-Drs. 13/10893). Deutscher Bundestag, 1998-05-29. Primärtext.
https://dserver.bundestag.de/btd/13/108/1310893.pdf
Ausschlussliste
- bpb.de – Keine Seite von bpb.de ist belegt.
- chronik-der-mauer.de – Keine Seite der Chronik der Mauer ist belegt.
- MDR außer einer Seite – Nur die Begleitseite zur Dokumentation über die Runden Tische ist belegt.
- WELT 1991 zu Gauck – Im geprüften Quellenstand nicht vorhanden. Persönliche Vorwürfe gegen Gauck stehen nicht im Dossier. Diestel nur mit seinem Text vom 6. August 1990.
Änderungsprotokoll
- 2026-10-03: Fassung 0.2.0: elf Kapitel aus 128 Claims, Bundesarchiv-Fotos, Sprechskripte ohne Ton.
- 2026-10-03: Kapiteltonspuren aus dem Lauf ddr-554feab, Commit 554feab. 36 Segmente, 6 928 Zeichen. Kennzeichnung: Sprachausgabe KI-generiert (xAI Grok).
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